Wien. Teilzeit ist weiblich, Armut auch. Teilzeitbeschäftigung und längere Arbeitslosigkeit stellen ein Armutsrisiko dar, sagt Markus Bliem vom Institut für höhere Studien. Frauen beziehen ein geringeres Erwerbseinkommen, sind häufiger teilzeit- oder atypisch beschäftigt und beziehen daher auch geringere Arbeitslosenunterstützung und Pension und sind daher auch besonders armutsgefährdet.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat daher das Thema Teilzeitarbeit zum Thema des diesjährigen Frauentags gemacht. 896.000 unselbständig Erwerbstätige gingen laut Statistik Austria im dritten Quartal 2011 einer Teilzeitbeschäftigung nach, davon 756.000 Frauen. Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit. Das führt zwar zu einer relativ hohen Frauenbeschäftigung (67,2 Prozent), allerdings warnt Heinisch-Hosek vor den Folgen: "Der halbe Lohn heißt auch weniger Pension."


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Dossier: Frauentag
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Sie legte am Mittwoch ein Fünf-Punkte-Programm gegen die Teilzeit-Falle vor:

Teilzeit dürfe nur eine vorübergehende Arbeitsform sein. Laut einer Umfrage sieht die Hälfte aller Betroffenen Teilzeit nur als Übergangslösung.

54 Prozent der Frauen in Teilzeit sagen, dass sie aufgrund von Kinderbetreuungspflichten kürzer arbeiten - nur 26 Prozent der teilzeitbeschäftigten Männer nannten dies als Grund. Heinisch-Hosek fordert daher mehr Kinderbetreuungsplätze, vor allem für die Kleinsten.

Teilzeitbeschäftigte sind im Durchschnitt 24,5 Stunden pro Woche angemeldet. Tatsächlich arbeiten sie aber 26,4 Stunden. Laut einer Ifes-Studie leistet die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten Mehrarbeit, davon ein Drittel mehr als vier Stunden pro Woche. Heinisch-Hosek fordert, dass Mehrarbeitsstunden ausbezahlt oder in Freizeit abgegolten werden, was nicht immer der Fall ist.

Eine Bitte hat die Frauenministerin auch an Finanzministerin Maria Fekter: Die Pendlerpauschale sollen nach der kommenden Steuerreform auch Teilzeitkräfte erhalten. Und von den Unternehmen fordert sie, dass über frei werdende Ganztagsjobs im Unternehmen zuerst Teilzeitkräften informiert werden sollen.

Auch die Neuregelung der Familienförderung soll bei einer nächsten Steuerreform erfolgen, fordert die Frauenministerin. Am besten nach dem Vorschlag von Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung: Demnach soll die Familienförderung erhöht und für alle Kinder gleich hoch sein (Ausnahmen soll es nur für behinderte Kinder geben), dazu gibt es zweckgebundene Gutscheine und einen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze. Dafür sollen steuerliche Vorteile entfallen.

Noch nichts wissen will die Ministerin von einer vorzeitigen Angleichung des Frauenpensionsantrittsalters an das der Männer: "Wenn ein Riesenpaket an Gleichstellungsmaßnahmen verwirklicht ist, kann man sofort darüber sprechen."