Wien. Nahrungsmittel werden zwar teurer, dennoch geben Österreichs Haushalte einen immer kleineren Anteil ihres Einkommens für Essen und Trinken aus. Machten Lebensmittel 1954 noch fast 45 Prozent der Haushaltsausgaben aus, waren es 1974 nur 27 Prozent. Derzeit entfallen nur noch 12,1 Prozent der Haushaltsausgaben von durchschnittlich 2910 Euro pro Monat auf Ernährung und alkoholfreie Getränke, wie aus der Konsumerhebung der Statistik Austria hervorgeht. Damit ist Ernährung auf Platz vier der Ausgabenposten zurückgerutscht - hinter "Wohnen, Energie", "Verkehr" und "Freizeit, Sport, Hobby".

Große Unterschiede zwischen Top- und Geringverdienern

Zwischen Gering- und Spitzenverdienern zeigen sich deutliche Unterschiede: Ausgabenschwächere Haushalte müssen mehr als die Hälfte ihrer Verbrauchsausgaben für Ernährung und Wohnen reservieren, Top-Verdiener nur etwas mehr als ein Viertel. Ein ähnlicher Unterschied zeigt sich zwischen den Staaten: In wohlhabenden Ländern nehmen die Lebensmittelausgaben einen immer geringeren Anteil ein. In Ländern wie Rumänien und Bulgarien fließen hingegen mehr als 20 Prozent der Konsumausgaben in Nahrungsmittel, wie die Statistikbehörde Eurostat erhoben hat.

Die Lebensmittelpreise steigen: Bei einer Inflationsrate von drei Prozent im Jänner wurde der Mikrowarenkorb, der hauptsächlich aus Nahrungsmitteln besteht und den täglichen Einkauf abbildet, im Jahresabstand um 5,1 Prozent teurer. Im Dezember hatte das Plus noch 2,8 Prozent betragen. Kaffee wurde sogar um 16 Prozent teurer. Auch die Preise für Fleisch, Molkereiprodukte und Eier, Brot und Getreideerzeugnisse lagen über der Inflationsrate. Billiger wurden dagegen Obst und Gemüse.

Manuela Göll, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Agrarmarkt Austria Marketing (AMA), kann hingegen Meldungen über "exorbitante Preissteigerungen nicht nachvollziehen": Der Index für Lebensmittel aus der Markterhebung RollAMA - von Fleisch über Milchprodukte bis zu Obst und Gemüse - liegt laut Göll nur geringfügig über dem Verbraucherpreisindex (VPI) im Vorjahr.

Markenprodukte sind laut AK-Erhebung Preistreiber

Wie ein AK-Test unter 476 Produkten ergeben hat, sind seit der Euro-Einführung 2002 vor allem Markenprodukte überdurchschnittlich teurer geworden. In diesem Zeitraum beträgt die kumulierte Inflationsrate 21,6 Prozent. Die größten Preissprünge gab es bei Kaffee und Kakao (53,5 Prozent). Die Preise von Eigenmarken der Supermärkte blieben hingegen überwiegend gleich oder sind gesunken. "Die Handelsketten betreiben einen Preiskampf vor allem über Eigenmarken", erklärt die AK Steiermark.

Außerdem erhebt die AK regelmäßig die günstigsten Preise für Lebensmittel wie Kartoffeln, Butter, Mehl und Bohnenkaffee. Dabei wird allerdings nur auf den Preis geachtet - die Qualität wird nicht verglichen. Im Jänner war der AK-Warenkorb um 4,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. "Wenn auch die Produkte im unteren Preissegment teurer werden, dann wird es knapp für einkommensschwache Haushalte, die sich ohnehin jetzt schon wenig leisten können", sagt Reinhold Russinger von der AK Wien.

Die Arbeiterkammer beobachtet zudem, dass die Preise in Österreich stärker ansteigen als in vergleichbaren EU-Staaten. "Der Grund scheint im mangelnden Wettbewerb im Lebensmittelhandel zu liegen", sagt Russinger zum angeblichen "Österreich-Aufschlag".

"Auf allen Verarbeitungsstufen ist die Konzentration sehr hoch. Wenn wenige Mitbewerber am Markt sind, besteht die Gefahr, dass weniger Konkurrenz zu höheren Preisen führt", sagt Silvia Angelo, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien. Hier müsste die Bundeswettbewerbsbehörde "genau hinsehen".