Wien. (wh) Am Sterbebett soll ja schon so mancher Ungläubige bekehrt worden sein. Auf einen ähnlichen Effekt von Einsicht, Reue und Umkehr bei den EU-Staatenlenkern setzen auch die Autoren des Europa-Schwerpunkts im soeben präsentierten "Österreichischen Jahrbuch für Politik 2011", wenngleich weniger in transzendentaler als in realpolitischer Hinsicht.

Es wäre, so die Botschaft voller Zuversicht, schließlich nicht das erste Mal, dass der Integrationsprozess durch eine Krise befeuert werde. Verantwortlich dafür zeichnen die beiden deutschen Politik-Experten Werner Weidenfeld und Joachim Bitterlich sowie Wifo-Forscher Fritz Breuss und SPÖ-Klubobmann Josef Cap.

Einen für Politik-Aficionados interessanten Einblick auf Aufstieg und Ende der Ära Josef Prölls als ÖVP-Obmann gewähren die ehemalige Pressesprecherin Wolfgang Schüssels, Heidi Glück, und Prölls ehemalige rechte wie linke Hand, Daniel Kapp. Der aktuelle Obmann greift dagegen gleich selbst zur Feder, um seine Vorstellungen von Gegenwart und Zukunft der Volkspartei zu formulieren. Spindelegger plädiert dabei, zweifellos die aktuellen Affären und Skandale vor Augen, für eine "Kultur der Ehrlichkeit in der Politik".

Weitere Schwerpunkte: eine äußerst kritische Bestandsaufnahme des heimischen Mediensystems, eine kluge Analyse der Möglichkeiten und Grenzen der vielfach überbewerteten Instrumente direkter Demokratie sowie ein Plädoyer für mehr Großzügigkeit bei den Rechten der Volksgruppen vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um eine Reform des heimischen Volksgruppengesetzes.