Wien. Mehr als 1.500 Christen aller Konfessionen, angeführt von Kardinal Christoph Schönborn, haben am Freitagabend in Wien am "Schweigemarsch für verfolgte Christen" und dem anschließenden ökumenischen Gottesdienst im Stephansdom teilgenommen.

Der evangelisch-lutherische Altbischof Herwig Sturm verlas laut Kathpress ein Zeugnis des syrisch-orthodoxen Metropoliten von Aleppo, der vor fünf Tagen beinahe einer Autobombe zum Opfer gefallen war.

Der irakische Abt Waheed Gabriel Tooma wies auf die vielen Christen unter den Dutzenden Opfern der jüngsten Anschlagsserie in seiner Heimat hin. Die Publizistin Pia de Simony berichtete über eine Fatwa des saudischen Großmuftis, in der zur Zerstörung der Kirchen in den Golfstaaten aufgerufen wird. Der Schweigemarsch führte von der Oper zum Stephansdom.

Im Dom hielt Abt Gabriel Tooma eine längere Ansprache zur dramatischen Situation der irakischen Christen. Seit 2003 seien 8.000 von ihnen der Gewalt zum Opfer gefallen. Hundertausende seien ins Kurdengebiet, nach Syrien und in die Türkei geflohen. Der Abt stellte das von ihm eingerichtete Waisenhaus in Alqosh im Nordirak vor, in dem zahlreiche Kinder aus von Attentaten betroffenen Familien über ihre traumatischen Erlebnisse hinwegzukommen versuchen.

Zu den Teilnehmern des Gebets im Stephansdom zählten u.a. der Eisenstädter Altbischof Paul Iby, der Wiener Weihbischof Franz Scharl, der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian, der griechisch-orthodoxe Erzpriester P. Nikolizis und der syrisch-orthodoxe Bischofsvikar Emanuel Aydin. In den Fürbitten wurde für den am Wochenende verstorbenen koptischen Papst Shenouda III. und seine Kirche gebetet, die sich aktuell in Ägypten in schwerer Bedrängnis befinde.

Ebenfalls wurde an den 2008 ermordeten irakischen Erzbischof Paulos Faraj Rahho erinnert, dessen Tod sich vor wenigen Tagen zum vierten Mal gejährt hatte. Rahho war chaldäisch-katholischer Erzbischof von Mossul. Er war am 29. Februar 2008 von Terroristen entführt worden. Seine Leiche wurde Wochen später auf einer Müllhalde gefunden. Er hatte sich entschieden gegen alle Versuche gewandt, in die irakische Verfassung Elemente der Scharia zu integrieren; zugleich setzte er sich für Toleranz und Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen ein.

Der Schweigemarsch wird traditionell von der Hilfsorganisation CSI-Österreich/Christian Solidarity International organisiert. CSI ist eine ökumenische und unabhängige Menschenrechtsorganisation, die sich vor allem für die Religions-, Gedanken- und Gewissensfreiheit im Sinne der Allgemeinen Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen einsetzt.