Es geschah in einer NMS, einer Neuen Mittelschule also: Pädagoge Obermeier wurde offenbar mit einem Tafel-Geodreieck erschlagen. Die potenziellen Tatverdächtigen: der Lehrkörper, 900 Schüler, eigentlich überhaupt alle acht Millionen Österreicher. Denn Lehrer sind ja das Feindbild Nummer eins der österreichischen Gesellschaft, werden von der Politik immer dann vor den Katheder gezerrt, wenn es Privilegien anzuprangern gilt, schmarotzen sich durchs Berufsleben, haben viel zu viel Urlaub und viel zu wenig Unterrichtsstunden . . . Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Was das jetzt mit Kabarett zu tun hat? Sehr viel, wenn Markus Hauptmann die Hauptrolle spielt (nicht nur am Klavier begleitet von Georg Huber). Denn Hauptmann, selbst im Haupt- (oder doch mittlerweile Neben-?)beruf Lehrer, bricht eine Lanze für die Pädagogen dieses Landes. Zwar mit hoch erhobenem Zeigefinger und moralinsauer verzogenem Schnoferl, aber auch sehr authentisch. Und deshalb erntet er lauten Applaus, wenn er auf der Kabarettbühne steht und von dort hinunterwettert, was ihm so alles gegen den Strich geht, wenn wieder einmal Lehrer-Bashing betrieben wird von den großen Boulevardblättern. Vor allem, weil sein bissiger Witz so pointiert ist und genau ins Schwarze trifft.

Auch, wenn Hauptmann den Schulalltag beschreibt. Denn die Mordermittlungen führen seine Hauptfigur, Inspektor Hartmann (der stark an Ernst Hinterbergers Trautmann erinnert), hinein in beengte Lehrerzimmer und demotivierte Schulklassen. Es ist eine deprimierende, frustrierende Situation, die er da beschreibt. Und mit jeder Szene wird ein neues Puzzlesteinchen der unzulänglichen Bildungspolitik aufgedeckt. Wodka im Schulmilchpackerl, Pisa-Test, Montessori - kein Klischee wird ausgelassen. Und jedes davon wird nicht nur bestätigt, sondern auch an der Wurzel freigelegt. Denn dem Kabarettisten und seinem Publikum ist bald allzu klar, wer und was schuld daran ist, dass die Schule so ist wie sie ist.

Und trotzdem unterhalten wir uns köstlich. Weil eben ja doch selbst im düstersten Dunkel ein kleines Lichtlein aufflackert (Hauptmann weiß nämlich ganz genau, wie man es besser machen könnte). Und weil letztlich alles halb so schlimm ist, wenn man es mit Humor nimmt. Und den hat Hauptmann nicht nur, den kann er auch sehr gut vermitteln. Sonst müsste er nicht nur als Kabarettist, sondern auch als Lehrer seinen Job aufgeben. Aber das tut er nicht. Zum Glück für sein Publikum und für seine Schüler. Denn wenn sein Unterricht nur halb so unterhaltsam ist wie sein Kabarettprogramm, braucht man sich um die Ausbildung der nächsten Generation vielleicht doch keine Sorgen zu machen.

Beruhigt von dem Gedanken, dass es also doch noch engagierte Lehrer gibt, die nicht gegen sondern mit den Schülern arbeiten, können wir uns also zurücklehnen und dem Pädagogen auf der Kabarettbühne dabei zuschauen, wie er nicht nur einen abstrusen Kriminalfall löst (in bester CSI-Leopoldstadt-Manier), sondern dabei auch die österreichische Gesellschaft und ihr Bildungssystem vorführt. Und, das gehört bei Hauptmann einfach dazu, auch in Erinnerungen an die goldenen Achtzigerjahre schwelgt, in denen es noch Walkmen und aufgekrempelte Sakko-Ärmel gab. Ein launiger Abend, der letztendlich doch mehr amüsiert als schulmeistert.

Markus Hauptmann: CSI Klassenzimmer
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