Wien. Erstmals seit der Einführung des Polytechnikums vor mehr als 50 Jahren erhält Österreich einen neuen Schultyp. Am Donnerstag hat der Nationalrat mit großer Mehrheit die Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) als Regelschule ab dem kommenden Schuljahr beschlossen. Bis 2018/19 soll die NMS sämtliche Hauptschulen ersetzen.

Grundprinzip der NMS ist eine innere Differenzierung in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch (oder einer anderen Fremdsprache). Dabei wird unterschieden zwischen Basiswissen und "vertiefter Allgemeinbildung", die dem Bildungsziel der AHS-Unterstufe entspricht. Daher genügt bei "vertiefter Allgemeinbildung" schon ein Genügend, um in die AHS-Oberstufe aufzusteigen.

Weitere Elemente sind pädagogische Maßnahmen wie temporäre Gruppenbildung, Fördermaßnahmen und Teamteching mit zwei Lehrern. Dafür werden pro Jahr zusätzlich 240 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Von einem "großen Tag für die Bildungspolitik" sprach SPÖ-Schulsprecher Elmar Mayer. Durch die NMS würden die Chancen junger Menschen ganz entscheidend verbessert. "Kein Kind soll auf der Strecke bleiben", so Mayer.

Auch ÖVP und BZÖ waren voll des Lobs für den neuen Schultyp. Kritik kam hingegen von Freiheitlichen und Grünen.

Für FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz funktioniert die Hauptschule in den ländlichen Gebieten hervorragend. Nur in den Ballungsräumen gebe es Probleme. Dort verkomme die Hauptschule "wegen hemmungsloser Zuwanderung" zu einer "Restschule" - was laut Rosenkranz allerdings nicht die Schuld der Immigranten, sondern der SPÖ-Bildungspolitiker sei.

Auch die Grünen stimmten der Schulnovelle nicht zu. Für deren Bildungssprecher Harald Walser war der Donnerstag höchstens "ein großer Tag für die Stillstandsbewahrer in der ÖVP". Diese hätten sich durchgesetzt, weil es weiterhin neben der NMS die AHS-Unterstufe gebe.

Auch Bildungsministerin Claudia Schmied hätte zweifellos lieber gleich die Gesamtschule für alle 10- bis 14-Jährigen eingeführt. Die jetzige Reform sei "eine Schulreform des Machbaren", so die Ministerin. Die Neue Mittelschule sei allerdings ein Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Schule, so Schmied.