Wien. (rel) Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht wieder neue Plagiatsvorwürfe öffentlich werden. Dass es überhaupt zu einer Prüfung verdächtiger Diplom- und Doktorarbeiten kommt, ist nicht nur das Verdienst der Universitäten, sondern auch der 2009 eingerichteten "Kommission für wissenschaftliche Integrität".

Wie dieses Gremium in seinem am Montag präsentierten Jahresbericht festhält, wurden im Jahr 2011 insgesamt 30 Verdachtsfälle für wissenschaftliches Fehlverhalten an die Prüfer herangetragen. Das sind um 19 Fälle mehr als im Vorjahr. Den starken Anstieg an Anfragen führt die im Juni 2009 gegründete Kommission auf ihren gestiegenen Bekanntheitsgrad sowie größeres Interesse der Öffentlichkeit für mögliche Plagiatsfälle zurück. Zu elf Fällen konnte die Kommission abschließende Stellungnahmen abgeben, fünf Fälle sind noch offen.

"Der starke Anstieg der Anfragen liegt daran, dass die Agentur mittlerweile gut etabliert und bekannt ist. Außerdem hat das Bekanntwerden möglicher Plagiatsfälle prominenter Politiker das Interesse der Öffentlichkeit in Bezug auf wissenschaftliches Fehlverhalten geweckt", so der Kommissionsvorsitzende Peter Weingart. Allerdings werde nicht jede Anfrage zu einem Plagiatsfall, zumal man vonseiten der Kommission für studienrechtliche oder andere rechtliche Fragen nicht zuständig sei. Das Gremium beendet seine Verfahren mit einer Stellungnahme in Form einer Empfehlung an die Institutionen, hat aber keine rechtliche Handhabe.

Vorwurf gegen Rektorin

Mittlerweile sind 31 Mitgliedsinstitutionen an der Kommission beteiligt. Mit dabei sind alle österreichischen Universitäten, sowie weitere wichtige Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen. Insgesamt wurden bisher 15 Fälle aus allen wissenschaftlichen Disziplinen behandelt. In sechs Fällen ging es um Plagiatsvorwürfe, in fünf um die Ausbeutung fremder Forschungsansätze, in jeweils zwei weiteren um Datenfälschungen und um Konflikte um die Autorschaft.

Zuletzt wurde im Februar einem Juristen von der Universität Linz die Doktorwürde aberkannt, nachdem ein Gutachten ergeben hatte, dass die 2002 eingereichte Arbeit von fremden Autoren kopiert worden war. Dass nicht einmal Universitätsrektoren vor Plagiatsvorwürfen gefeit sind, hat die Anzeige gegen die Leiterin einer Tiroler Privatuniversität gezeigt. Die Frau stand im Verdacht, ihre Dissertation abgeschrieben zu haben. Die Kritik erwies sich allerdings für eine Titelaberkennung als "nicht ausreichend".