Innsbruck. Der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident und Wirtschaftsbundobmann Jürgen Bodenseer denkt offen über die Wiedereinführung der Todesstrafe in Österreich nach. In einer Umfrage im sozialen Netzwerk Facebook sprach er sich für die 1950 abgeschaffte Maßnahme als Mittel zur Bestrafung von Kinderschändern aus. Sein Kommentar dazu: "Ich wäre in krassen Fällen bei voller Zurechnungsfähigkeit für die Wiedereinführung der Todesstrafe."

    Erstmals berichtete der Ötztaler Tiwag-Kritiker Markus Wilhelm auf seiner Homepage www.dietiwag.at über Bodenseers Eintrag auf Facebook. Im Gespräch mit derStandard.at bestätigte der Politiker die Echtheit des Accounts und bekräftigte zudem seine Haltung: "Es gibt viele Fälle, wo es durchaus überlegenswert wäre, über die Todesstrafe zu diskutieren." Und weiter: "Aber in Extremfällen bin ich dafür, über die Todesstrafe nachzudenken."

Kindesmissbrauch verhindern?
   Ein solcher Extremfall ist laut Bodenseer Kindesmissbrauch, wenn nicht nachgewiesen ist, "dass es sich um ein medizinisch begründetes Fehlverhalten, also etwa eine psychische Krankheit handelt". Für den Tiroler Wirtschaftsbundobmann ist dies eine ethische Frage - "Das ist so ähnlich wie bei der Abtreibung". Zwar müsse die Wiedereinführung erst empirisch untersucht werden. "Wenn sich herausstellt, dass durch die Todesstrafe extreme Kindesmisshandlungen oder Mord verhindert werden können, dann sollten wir darüber diskutieren, was mehr wiegt

   Auf die Frage, ob seine Einstellung mit seiner politischen Ideologie zusammenpasse, antwortete Bodenseer auf derStandard.at: "Es gibt vieles, was in der christlichen Soziallehre verboten ist. Auch viele Priester halten sich nicht daran. Außerdem heißt es ja 'du sollst nicht töten' und nicht 'du darfst nicht töten'".