Gloggnitz. (rel) Wenn Landeshauptmann Erwin Pröll irgendwo in Niederösterreich in Erscheinung tritt, dann ist auch seine Fangemeinde nicht weit. Hunderte sind es, großteils Lokalpolitiker, die an diesem sonnigen Vormittag der Einladung der ÖBB zum Spatenstich des Semmering-Basistunnels (SBT) in der Stadt Gloggnitz gefolgt sind. Darunter auch Abordnungen aus Feuerwehr, Polizei und dem Rettungswesen. Rund 600 Gäste sind zu dem Festakt gekommen, der einen Schlusspunkt setzt unter die jahrzehntealte und erbittert geführte Auseinandersetzung um dieses Tunnelprojekt.

Zwei Tunnelröhren von 27,3 Kilometern Länge, zwölf Jahre Bauzeit und Kosten von 3,1 Milliarden Euro: Das sind die Eckdaten des Semmering-Basistunnels. Die neue Südbahn, Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes, wird die Fahrzeit Wien - Graz um ein Drittel verkürzen und den Zuwachs im Güterverkehr bedienen, gleichzeitig bleibt das Unesco-Weltkulturerbe Ghega-Bahn über den Semmering erhalten.

Endlich Eintracht


Kein Wunder also, dass der Spatenstich als historisches Ereignis bezeichnet wurde. Das Projekt sei wie kein anderes auf Herz und Nieren geprüft worden, versicherte Verkehrsministerin Doris Bures allfällig anwesenden Skeptikern des Projekts. Erwin Pröll als solchen zu bezeichnen, wäre eine glatte Untertreibung, war er es doch, der den Tunnel auf die lange Bank schob. Entsprechend sprach Pröll nun von einer geänderten Faktenlage, weshalb SBT alt und neu "in keinster Weise" zu vergleichen seien.

"Wir wollten keinen ökologischen Fehler machen, den die nächste Generation ausbaden muss", sagt Pröll im Rahmen einer Gesprächsrunde und erklärt, dass es ihm nicht um eine Verhinderung des Projekts, sondern immer nur um die Fakten - also die Umwelt, die Sicherheit im Tunnel und den Erhalt der alten Bergstrecke - gegangen sei.

Im Gegensatz zum Land Niederösterreich zählte die Steiermark von Anfang an zu den Befürwortern des Projekts. Entsprechend betonte Landeshauptmann Franz Voves die Bedeutung einer leistungsfähigen Südbahn für den Wirtschaftsstandort seines Landes. Und an ÖBB-Chef Christian Kern war es dann, den bevorstehenden Tunnelbau als technische Spitzenleistung hervorzuheben. Die Bahn sei auf der Höhe der Zeit und das Verkehrsmittel der Zukunft.

Als die Runde schließlich zum Spatenstich schreitet, kommt es zu einer Protestgeste eines Mannes mit Cowboyhut, der ein Mini-Transparent mit der Parole "Der Berg ist dagegen" in die Höhe hält. Bei den Gästen sorgt die Aktion allerdings nur für Gelächter. Entschiedene Tunnelgegner sind an diesem Tag kaum auszumachen. Und wenn, hört man nur verhaltene Kritik.