Wien. Mehrere Spitäler teilen sich ein Labor, Medikamente werden gebündelt bestellt und auch die Wäsche wäscht nicht jedes Krankenhaus selbst. Was nach Chaos klingt, birgt enormes Einsparungspotenzial im Gesundheitsbereich und Verbesserungen für Patienten. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Vinzenz-Gruppe durchgeführt und am Donnerstag präsentiert hat.

Die von der Politik angestrebten zwei Milliarden Euro Einsparungen im Gesundheitswesen sind demnach durchaus machbar. Fast die Hälfte davon (795 Millionen Euro) könnte durch Spezialisierung und Arbeitsteilung der Spitäler erfolgen. Und dies würde nicht auf Kosten der Patienten gehen, so IHS-Experte Thomas Czypionka zur "Wiener Zeitung" - im Gegenteil: "Ein großes Labor kann auch seltene Untersuchungen durchführen und sich auch Hygienologen und Mikrobiologen leisten." Der gebündelte Medikamenteneinkauf würde Vergünstigungen von bis zu 15 Prozent bringen.

Eine Apotheke für fünf Spitäler in Wien

Auch Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz-Gruppe, sagt: "In einem größeren Team sind krankheits- und urlaubsbedingte Ausfälle des Personals leichter verkraftbar." Er spricht aus Erfahrung: In den vergangenen Jahren hat die Vinzenz-Gruppe sukzessive alles zentralisiert, was die Patienten nicht unmittelbar zu spüren bekommen. Inzwischen teilen sich fünf Wiener Spitäler (Orthopädisches Spital Speising, St.-Josef-Spital, Krankenhaus Göttlicher Heiland, Herz-Jesu-Spital, Barmherzigen Schwestern) eine Apotheke, ein Labor, zwei Radiologien und auch das Rechnungswesen wird zentral gehandhabt. Das hätte rund acht Millionen Euro pro Jahr Einsparungen gebracht, so Heinisch.

Doch wichtiger als diese Summen sind ihm die konkreten Hinweise, wo gespart werden kann: "Liegt ein Patient nach einer Hüftoperation im Krankenhaus, kostet das 750 Euro pro Tag. Liegt er im Pflegeheim, kostet das nur 250 Euro." Doch der Patient zahle in einem Wiener Krankenhaus nur 10 Euro, im Heim aber 100 Euro pro Tag - damit würden falsche Anreize gegeben, so Heinisch. Er fordert daher Kostentransparenz: Statt Pauschalen zu bezahlen, sollten Leistungen berappt werden. Weiters plädiert er, die Zusammenarbeit nicht nur zwischen den Spitälern, sondern auch zwischen Bundesländern zu forcieren - das sollte "unbedingt" auch bei der Gesundheitsreform berücksichtigt werden, die Gesundheitsminister Alois Stöger bis Ende des Jahres auf Schiene bringen will.

Ein besseres Miteinander von Spitälern bei Verwaltung, Wäsche, Küche, Reinigung könnten dem Gesundheitssystem weitere 430 Millionen Euro Einsparungen bringen. Die verbesserte Kooperation in der ambulanten Versorgung wie geringerer Liegedauer von Patienten könnten 278 Millionen Euro einholen, Verlagerung von stationären Aufenthalten zu Eintagesaufenthalten 95 Millionen Euro. Verstärkte Zusammenarbeit in der Nachbetreuung von Patienten könnten 128 Millionen Euro, die Reduktion nicht notwendiger präoperativer Diagnostik 19 Millionen Euro einsparen. Und die Errichtung von medizinischen Versorgungszentren wie Gruppenpraxen könnte 294 Millionen Euro bringen.

Vertreter von Wirtschaft und Industrie begrüßen die Studie: Martin Gleitsman von der Wirtschaftskammer sagt, diese sei wichtig für die derzeit laufenden Verhandlungen zur Gesundheitsreform. Er plädiert für mehr Wettbewerb und sagt, es sollten jene Anbieter zum Zug kommen, die den Patienten eine qualitätsgesicherte Leistung zum bestmöglichen Preis bereitstellen: "Der Staat sollte sich auf die Rolle des Regulators beschränken und weitestgehend nicht als Anbieter von Leistungen auftreten."

Für Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, ist das Kernproblem, dass mit Spitälern und niedergelassenen Ärzten zwei Gesundheitssysteme nebeneinander existieren. Die Finanzierungssysteme müssten so geändert werden, dass sie zu Kooperationen anregen.