Wien. Immer, wenn die Mitglieder des Wiener Korporationsrings (WKR) aufmarschieren, sind auch Gegendemonstranten nicht weit. Und wie zuletzt beim Burschenschafter-Ball am 27. Jänner in der Hofburg müssen die Korporierten neuerlich mit heftigen Protesten rechnen.

Stein des Anstoßes bildet hier wie in den Jahren zuvor das sogenannte "Totengedenken" der Burschen an die gefallenen und vermissten Soldaten der Wehrmacht. Was für die Burschenschafter nur ein "Bekenntnis zum angestammten Volkstum" und Ausdruck des "Ehrenstandpunktes" ist, wie es auf der Homepage des WKR heißt, stößt wiederum in breiten Teilen der Öffentlichkeit auf scharfe Kritik. Grund: Die Burschenschafter würden, indem sie vor der Krypta beim Heldenplatz einen Kranz für die verstorbenen Soldaten niederlegen, gleichzeitig auch jene SS-Angehörige ehren, deren Namen dort in den Gedenkbüchern eingetragen sind, wird kritisiert.

Allerdings richten sich die Protestaktionen nicht nur gegen das Heldengedenken, sondern vor allem gegen die Wahl des Datums. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Hitler-Deutschland, wobei dieses Ereignis im WKR vorrangig als "Tag der Niederlage im Weltkrieg" und nicht der Befreiung gesehen wird. Weswegen gleich mehrere Gruppen, darunter die Plattform "Jetzt Zeichen setzen" sowie die Österreichische Hochschülerschaft, für den Abend zu einer Gedenkkundgebung am Heldenplatz aufgerufen haben. Kein Verständnis für das Geschichtsbild des WKR hat auch der Österreichische Cartellverband. Als Antwort auf diesen "Missbrauch" des 8. Mai durch die Burschenschafter laden daher die katholischen Studenten zu einem Gottesdienst "für alle unschuldigen Opfer des Krieges" in den Wiener Stephansdom.

Hunderte Beamte im Einsatz


Zu einer Gegendemonstration aufgerufen hat wiederum die Initiative "Offensive gegen Rechts". Wie sie auf ihrer Website ankündigt, soll der Fackelzug der Korporierten, der ab 20 Uhr von der Mölker Bastei zur Krypta führen wird, verhindert oder zumindest gestört werden. Um Zusammenstöße zwischen den Blöcken zu vermeiden, hat die Wiener Polizei das Areal rund um den Heldenplatz zur "Schutzzone" erklärt und mehrere hundert Beamte abgestellt.