Wien. Es hapert noch an allen Ecken und Enden, aber umsetzbar ist es. Das ist das zentrale Ergebnis einer ausführlichen Evaluierung der Testphase der E-Medikation der Medizin-Uni Wien und der Tiroler Umit.

Von April bis September vergangenen Jahres haben in Tirol, Oberösterreich und Wien 85 Ärzte, 50 Apotheker, 4 Spitäler und mehr als 5400 Patienten freiwillig die E-Medikation getestet. Das System ist Teil der geplanten elektronischen Gesundheitsakte (Elga) und soll Ärzte und Apotheken so miteinander vernetzen, dass Wechselwirkungen von Medikamenten, Duplikate (wenn Mittel mit unterschiedlichen Namen, aber denselben Wirkstoffen verschrieben werden) und Probleme bei der Reichweite (wie lange ein Patient mit einer Medizin auskommt) vermieden werden.

Am Donnerstag hat Projektleiter Wolfgang Dorda von der Medizin-Uni die Ergebnisse der Evaluierung präsentiert. Ins Auge sticht dabei die hohe Zahl an Wechselwirkungswarnungen (siehe Grafik): Mehr als 10.500 Mal schlug das System bei Verschreibungen Alarm, davon immerhin 110 Mal wegen potenziell tödlicher, schwerer Wechselwirkungen. Auch der Anteil an Wechselwirkungswarnungen mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneien war mit 3,5 Prozent überproportional hoch.

System zu sensibel

Dorda verwies aber darauf, dass das System gerade in diesem Bereich noch übersensibel sei und auch Fehler passierten. Zum Beispiel kann es unterschiedliche Medikamenttypen nicht auseinanderhalten und zeigt daher auch irrelevante Wechselwirkungen wie jene zwischen Salben und Tabletten auf. Ebenfalls Verbesserungsbedarf gibt es bei der Software: Viele der befragten Ärzte und Apotheker beklagten zu hohen Zeitaufwand. Hier spielt auch die fehlende gesetzliche Grundlage eine Rolle: So waren die Einverständniserklärungen der Patienten nur zwölf Stunden gültig. Patienten, Ärzte und Apotheker in allen drei Bundesländern zeigten sich überwiegend zufrieden mit der E-Medikation. Dorda plädiert für einen österreichweiten, flächendeckenden Einsatz der E-Medikation - allerdings erst "nach einem umfassenden Re-Design".

Für den stellvertretenden Generaldirektor des Hauptverbands, Volker Schörghofer, beweist diese Studie, dass die E-Medikation umgesetzt werden muss. Die nun nötigen Adaptierungen eingerechnet, geht Schörghofer von einer Umsetzung Ende 2013 aus, aber nur dann, wenn so rasch wie möglich das Elga-Gesetz kommt.

Verhandlungen laufen

Gesundheitsminister Alois Stöger sprach sich für die flächendeckende Einführung aus, betonte aber die Notwendigkeit einer Datenschutzregelung. Dass das Elga-Gesetz noch vor dem Sommer den Ministerrat passieren kann, hält man in Stögers Büro "immer noch für realistisch." Aus dem Büro von seinem Spiegelminister, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, hieß es dazu, das komme darauf an, ob "Stöger ein mit der Ärztekammer ausverhandeltes Gesetz vorlegen kann".

Und die Verhandlungen mit der Ärztekammer laufen - etwa geht es dabei um den Kostenersatz für die Implementierung der Software. Seitens der Kammer zeigte man sich ungewohnt milde: Vizepräsident Artur Wechselberger befand das Grundkonzept für richtig, forderte aber Erleichterungen für die Ärzte.