Wien. Das Verteidigungsministerium hat zu viel Personal, und das kostet. 2010 wurden 2059 Arbeitskräfte (8,6 Prozent) des Personals nicht mehr benötigt, zeigt jetzt ein Bericht des Rechnungshofes. Die Kosten für diese "Beschäftigten" lagen bei 66,1 Millionen Euro.

45 Prozent blieben bei
vollen Bezügen zu Hause


Für viele der nicht mehr benötigten Mitarbeiter gibt es offenbar überhaupt keine Verwendung mehr. 281 Betroffene befanden sich in der Intensivbetreuung und hatten dennoch nichts zu tun. 45 Bedienstete befanden sich ohne Beschäftigung und bei vollen Bezügen zu Hause, davon 19 seit mehr als sechs Monaten.

Zwei von ihnen waren seit mehr als zwei Jahren nicht mehr zum Dienst einberufen worden. Nur in zwei Fällen wurden die vorgesehenen Schulungen durchgeführt. Das Verteidigungsressort hat diese Praxis nach eigenen Angaben mittlerweile abgestellt.

Überzähliges Personal wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren, ist offenbar nicht überall gewollt. Von April 2008 bis Juni 2011 sprach die Abteilung Personal Provider 697 Empfehlungen zur Besetzung von fixen Arbeitsplätzen durch nicht mehr benötigte Mitarbeiter aus. Die Dienstbehörden entsprachen dem allerdings in gerade drei Fällen, die Erfolgsquote lag also bei 0,4 Prozent.

Um die Flexibilität der Bediensteten ist es ebenfalls nicht gut bestellt: Eine Befragung des Rechnungshofs im Vorjahr ergab, dass 48 Prozent nicht bereit waren, den Arbeitsort im Verteidigungsressort zu wechseln. Einen Arbeitsplatz mit mehr als 20 Kilometer Entfernung würden gerade 13 Prozent annehmen, mit über 50 Kilometer Distanz ein Prozent. Etwas mehr als die Hälfte der Bediensteten kann sich zudem keinen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich des öffentlichen Dienstes vorstellen. Für gerade einmal sechs Prozent ist es denkbar, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Ein Wechsel innerhalb des öffentlichen Dienstes gestaltet sich allerdings schwierig. Die Nutzung der internen Jobvermittlungsprogramme ist gering. So griffen die Ressorts 2010 insgesamt bloß 27-mal auf die Karriere-Datenbank zu.

Es wurden mehr Offiziere ausgebildet als benötigt


Schließlich kritisieren die Rechnungshof-Prüfer, dass das Verteidigungsressort über Bedarf ausbildet. So stieg die Anzahl der Offiziere zwischen 2006 und 2011 trotz eines verringerten Streitkräfteumfangs um sieben Prozent. Das Ministerium antwortet hier, dass das Aufnahmekontingent für die Offiziers- und Generalstabsoffiziersausbildung bereits im Vorjahr gesenkt wurde.