Wien. Wien als Festivalort für zentral- und osteuropäische Filme: Die Idee geht auf die polnisch-stämmige Slawistin Magdalena Zelasko zurück. Am Montag startet in Wien erstmals das von ihr intiierte und geleitete "Let‘s CEE"-Filmfestival mit 30 neuen Kinoproduktionen aus der CEE-Region. Einige fragen sich nun, weshalb mehr als 20 Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vergehen mussten, bis so ein Projekt verwirklicht wurde. "Ich halte die Idee für eine totale Marktlücke", meint der junge bosnisch-stämmige Drehbuchautor und Kenner der exjugoslawischen Filmszene Senad Halilbasic. "Österreich hat ein tolles Festival-Angebot und Wien ein tolles Kinoprogramm, aber diese Schiene für den CEE-Bereich fehlt völlig und war eigentlich schon längst überfällig. So ein Festival - das gehört doch zur Wiener Kultur!" Halilbasic ist auch Koordinator des interkulturellen Projekts "Diverse Geschichten" zur Entwicklung von Drehbüchern.

Eine "historische Chance" sieht darin auch Schauspielerin und Moderatorin Mercedes Echerer, die den Spielfilm-Wettbewerb von "Let’s CEE" kuratiert. "Wirtschaftlich sind wir ja schon längst mit der CEE-Region verflochten." Bei der Kunst lief es nicht so schnell. Anders als die Wirtschaft sei Kultur von Fördergeldern abhängig und habe kein Eigenkapital. Kunstprojekte seien damit territorial gebunden. Selbst bei Kooperationen müsse der Großteil des Geldes im eigenen Land ausgegeben werden. Echerer fordert eine "weitsichtige, grenzüberschreitende Kulturpolitik, koordiniert auf europäischer Ebene." Der Hauptmangel liegt aber für Echerer wie Halilbasic bei der Rezeption. "Es gibt fantastische ungarische Komödien, deren Humor dem wienerischen verwandt ist", erzählt Echerer. "Niemand kennt die in Österreich. Unwissenheit herrscht auf beiden Seiten." Das Festival soll den Austausch fördern.

Das Programm ist stark durchmischt. Es umfasst Filme aus Bosnien, Serbien, Rumänien, Tschechien, Polen, Bulgarien und vielen anderen Staaten. Das Festival beginnt prominent: "In Darkness" von der mehrfach ausgezeichneten Regisseurin Agnieszka Holland wurde heuer für den Oscar nominiert. Das auf wahren Begebenheiten beruhende Kriegsdrama handelt von jüdischen Flüchtlingen, die sich 1943 in der Kanalisation der polnischen Stadt Lvov versteckten und dort vom Handwerker Leopold Socha entdeckt wurden.