Wien. (rös) "Es ist schlicht und einfach mein Traumjob", sagte Sigrid Pilz zu ihrer beruflichen Veränderung: Die Gemeinderätin und Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen wird Pflege- und Patientenanwältin und folgt Konrad Brustbauer, dessen fünfjährige Amtsperiode jetzt ausläuft.

Pilz ist damit die erste Frau in dieser Position, aber auch die erste Kandidatin, die direkt aus der Politik kommt. Ein Zugeständnis der Wiener SPÖ an den grünen Koalitionspartner? "Pilz ist im Auswahlverfahren einer externen Personalmanagement-Firma als beste von 12 Bewerbern hervorgegangen", betonte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Sie habe das Anforderungsprofil fachlich, persönlich und sozial ausgezeichnet erfüllt und sich damit gegen sieben weibliche und fünf männliche Konkurrenten durchgesetzt.

Pilz will künftig neben der Prüfung individueller Schadensfälle vor allem die Gesundheitskompetenz der Wiener stärken und den Zugang zu Informationen erleichtern, wie sie am Dienstag ankündigte. "Laut Wiener Gesundheitsbericht verstehen 50 Prozent der Patienten nicht, was die Ärzte ihnen erklären", meinte Pilz. Das will sie mit "unkonventionellen Ansätzen" ändern: "So könnten etwa Medizinstudenten Berufsschulen besuchen und mit den Schülern darüber reden, was ihnen ihre Gesundheit wert ist", schlägt Pilz vor. Auf diese unterschwellige Weise will sie auch junge Menschen aus benachteiligten Schichten erreichen und Gesundheitsprävention "auf Augenhöhe" praktizieren.

Die neue Patientenanwältin will sich aber auch den Strukturen im Gesundheitssystem widmen - denn oft seien es die Abläufe, die für Fehlbehandlungen verantwortlich seien, und nicht das schuldhafte Verhalten einzelner Mitarbeiter, ist Pilz überzeugt.

Pilz-Nachfolge noch nicht fix

Sigrid Pilz studierte in Innsbruck Erziehungswissenschaften und Psychologie. Zuletzt war sie als Leiterin der Abteilung "Internationale Familien- und Jugendpolitik" im Ministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend tätig. Die gebürtige Oberösterreicherin sitzt seit 2001 für die Grünen im Gemeinderat, seit 2011 ist sie auch zur stellvertretenden Klubobfrau.

Pilz war unter anderem Fraktionsführerin ihrer Partei in jenen zwei U-Ausschüssen, in denen Gesundheitsthemen zur Debatte standen - also der Kommission zum Geriatriezentrum Lainz beziehungsweise zur Psychiatrie in Wien. Als Gemeinderätin scheidet sie nun Ende des Monats aus, die Nachfolge ist laut grünem Klub noch nicht fixiert.

Die Patientenanwaltschaft selbst besteht seit 20 Jahren. Laut Rathaus wurden in dieser Zeit insgesamt rund 170.000 Kundenkontakte registriert. Zudem gab es für Patienten mehr als 36 Millionen Euro an Entschädigungen "ohne den Rechtsweg beschreiten zu müssen", so Wehsely.