Es wird ernst für Alfons Mensdorff-Pouilly. Ihm drohen wegen Geldwäsche und Falschaussage bis zu fünf Jahre Haft. - © APA/ HERBERT NEUBAUER
Es wird ernst für Alfons Mensdorff-Pouilly. Ihm drohen wegen Geldwäsche und Falschaussage bis zu fünf Jahre Haft. - © APA/ HERBERT NEUBAUER

Wien. (zaw) Der Gedankengang liegt auf der Hand: Der Jäger wird zum Gejagten. Die Staatsanwaltschaft Wien hat am Freitag einen Bericht des "Standard" bestätigt, wonach Anklage gegen Alfons Mensdorff-Pouilly erhoben wird. Es geht um Geldwäsche und Falschaussage.

Der Lobbyist und Ehemann von Ex-Ministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) ist die Schlüsselfigur in zahlreichen Affären, die derzeit im Korruptions-U-Ausschuss untersucht werden. Brisant sind vor allem die Jagdgesellschaften, die der - laut Eigendefinition - Bauer Mensdorff-Pouilly organisiert hat. Das brachte ihm auch den Decknamen "Der Jäger" ein.

Seine Lobbying-Tätigkeit für den britischen Rüstungskonzern BAE Systems (Stichwort: Eurofighter) könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in einem rechtswirksamen Strafantrag Geldwäsche vor. BAE-Gelder in Höhe von 12,6 Millionen Euro sollen über Mensdorff-Konten geschleust worden sein um - so der unbewiesene Verdacht der Staatsanwaltschaft - Waffengeschäfte in Mittel- und Osteuropa zugunsten von BAE zu beeinflussen. Also Bestechungsgelder. Das ist allerdings nicht Teil der Anklage, denn: "Die tatsächliche Verwendung des Geldes konnte nicht aufgeklärt werden", wie Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Freitag erklärte. Wohl aber die Geldwäsche. Mitangeklagt ist auch ein Mitarbeiter von Mensdorff, der die Gelder bar behoben haben soll.

Die BAE-Millionen landeten zunächst bei Brodmann Business S.A., einer Briefkastenfirma mit Sitz auf den British Virgin Islands. Brodmann ist laut Staatsanwaltschaft eine Mensdorff-Firma. Weil der Lobbyist das aber sowohl im Eurofighter- als auch im Korruptions-U-Ausschuss bestritten hat, kommt im Strafantrag auch der Vorwurf der falschen Zeugenaussage hinzu. In Untersuchungsausschüssen gilt Wahrheitspflicht. Zudem soll er im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft falsche Beweismittel vorgelegt haben.

Schon im Frühjahr 2009 saß Mensdorff-Pouilly wegen des Verdachts der Geldwäsche rund einen Monat in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm nun bis zu fünf Jahre Haft. Weil die Staatsanwaltschaft beim Wiener Straflandesgericht keine Anklageschrift, sondern einen Strafantrag eingebracht hat, ist im Übrigen kein Einspruch dagegen möglich.

Am Dienstag ist Mensdorff-Pouilly als Auskunftsperson im Korruptions-U-Ausschuss geladen. Es ist zu erwarten, dass er sich - wie bei seinen früheren Auftritten - großzügig der Aussage entschlagen wird.