"Wiener Zeitung":Stellen Sie bei Studienanfängern einen Qualitätsverlust fest?

Christoph Badelt: Ich bin als Rektor nicht so direkt damit konfrontiert. Aber es gibt seriöse Untersuchungen, die feststellen, dass im Bereich der Sprachen die Kenntnisse schlechter geworden sind. Aber diese Klagen gibt es schon seit mehr als 15 Jahren.

In der Debatte um die Zentralmatura ist häufig davon die Rede, dass damit ein Niveauverlust verbunden sei. Teilen Sie diese Einschätzung?

Die Klage der Älteren über die Jugend ist nicht neu, wir sollten da nicht in eine Endzeitstimmung verfallen. Ich möchte aber nicht über die Zentralmatura reden - das ist nicht mein Gebiet und ich will auch nicht über Institutionen urteilen, über die ich keine genauen Kenntnisse habe. Was ich mir aber wünsche, ist, dass nicht die abgebende Institution - also AHS oder BHS - über die Studienqualifikation entscheidet. Vielmehr sollte das die aufnehmende Institution tun. Es ist nicht sinnvoll, dass eine Institution das Recht verleiht, an eine andere Institution zu gehen.

Die Zentralmatura könnte, wenn sie schließlich ab 2016 in ganz Österreich umgesetzt ist, auch den Vorteil haben, dass nicht mehr die Lehrenden die Prüfungen abnehmen, sondern die Reifeprüfung ganz extern erfolgt. Wäre das hilfreich?

Das könnte ein Weg sein. Aber: Hätte ich einen geregelten Hochschulzugang, hätte ich Freude daran, auch unter Nicht-Maturanten zu suchen. Etwa könnten Lehrlinge oder bereits im Beruf stehende Fachkräfte ohne Matura eine Studienqualifikation erlangen.

Bevorzugen Sie AHS- oder BHS-Maturanten?

Es ist mir egal, welche Matura vorliegt. Zwar haben BHS-Abgänger ein Vorwissen im Rechnungswesen gegenüber AHS-Maturanten. Aber das lässt sich korrigieren. Wir bieten jetzt schon vor Studienbeginn Kurse - "bridging courses" - an, um Mathematik oder Englisch zu verbessern.

Zur Person

Christoph Badelt

Das Fachgebiet des 61-Jährigen sind Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Er ist seit 2002 Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien und war von 2005 bis 2009 Vorsitzender der Universitätenkonferenz.