Feldkirchen in Kärnten. "Es is zum schommen" - der Facebook-Eintrag eines jungen Kärntner Akademikers ("Es ist zum Schämen") spricht angesichts der neuesten Enthüllungen und Geständnisse in Sachen illegale Parteienfinanzierung rund um die Causa Birnbacher vielen zwischen Glockner und Pack aus der Seele. Empört sind alle, überrascht aber niemand. Die "Wiener Zeitung" hat sich in Kärnten umgehört.

In Himmelberg, dem Wohnort von Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK), treffen wir Isolde T. Diese ist sichtlich empört über die Vorgänge im Land. Es sei "einfach nicht zu glauben", sagt die pensionierte Unternehmerin, "die gehören alle rausgeschmissen und davongejagt". Ob sie denn überrascht sei. "Jein", meint Frau T., schließlich hätten "alle gewusst, dass etwas faul ist". Nun brauche es "unbedingt Neuwahlen", betont sie, wobei ihr Problem sei, dass sie "niemanden mehr zu wählen" habe. "Es tut einem in der Seele weh", was da passiere.

"Es ist ein Trauerspiel", findet auch der Spittaler Jurist Georg S. Die illegale Parteienfinanzierung ist ihn "eine riesen Sauerei". Überrascht ist aber auch der 33-Jährige nicht: "Hinter vorgehaltener Hand hört man oft: ‚Beim Land Kärnten brauchst gar nicht erst anklopfen, wenn nicht vorher der Partei etwas gespendet wurde‘." Überrascht hätte ihn letztlich aber, dass Ex-ÖVP-Chef Josef Martinz "doch so viel ausgepackt hat". Klar sei auch, dass der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider die zentrale Figur gewesen sei - "da war immer Geld da für diverse Scherze" -, aber alle hätten mitgemacht. Aus seiner Sicht sollten Neuwahlen allerdings frühestens in einem Jahr stattfinden. Vorher müssten die Gerichte die Sache untersuchen. "Da wird sicher noch der eine oder andere einkassiert."

"Gibt keine Alternativen"

Bezüglich Neuwahlen ist auch der Feldkirchner Forstwirt Roland G. skeptisch: "Es gibt keine Alternativen." SPÖ-Landeschef Peter Kaiser habe "null Persönlichkeit" und Rolf Holub von den Grünen, der die Causa Birnbacher ins Rollen gebracht hatte, sei "ein Kasperl" - was Kabarettist Holub wohl nicht einmal als Beleidigung auffassen würde. Für den Förster sind aber auch ÖVP und Freiheitliche nicht wählbar, wobei er einräumt: "Landeshauptmann Dörfler wird mir aber immer sympathischer." Dieser vermittle den Eindruck, er sei "ein gerader Michel". Hingegen habe er "schon immer gewusst, dass Martinz eine Pfeife ist - auch wenn ich ihm nicht zugetraut hätte, dass er sich so arg bedient". Nichts hält Roland G. auch von den freiheitlichen Landesräten Uwe Scheuch und Harald Dobernig. Mittlerweile merke man im Wirtshaus auch bei den alteingesessenen Freiheitlichen diesbezüglich ein Umdenken. An den Stammtischen herrsche allerdings auch die Meinung: "Alle aufhängen!"

Eine Alternative, die Forstwirt G. dann noch einfällt, sind die Piraten. Die wären auch für den Wirt vom "Landgasthof Seebacher" in Gnesau wählbar - "oder der Stronach". Und das, obwohl der Gastronom selbst in den 80er Jahren freiheitlicher Gemeinderat war. Überrascht über die Korruptheit der Kärntner Spitzenpolitiker ist auch der Seebacher-Wirt nicht. Das habe man schon vorher gewusst, "nur zugeben tut’s keiner". So sei nie klar gewesen, wo Jörg Haider das viele Geld für alles Mögliche, etwa das Formel-1-Engagement von Patrick Friesacher, herhatte. "Aber den Leuten ist es gut gegangen", deshalb habe keiner gefragt. "Aber so schlimm sehe ich das nicht", sagt der Wirt, schließlich sei etwa der rote Bawag-Skandal viel schlimmer gewesen, "und davon redet niemand mehr".

Dass es sich bei Korruption um ein Kärntner Phänomen handeln soll, bestreitet der Seebacher-Wirt ebenso, wie alle anderen Befragten. Das gebe es überall, sagt auch Stefan P., junger Kapitän eines Ausflugsschiffs auf dem Millstätter See. "Alle Politiker sind etwas korrupt", deshalb habe ihn das Geständnis von Birnbacher und Martinz nicht überrascht. Allerdings findet er es "frech, dass sie so lange alles abgestritten haben" und dass es unter den österreichischen Politikern keine Rücktrittskultur gibt. Doch der junge Kapitän hat sich einen Rest Optimismus bewahrt, weshalb er auch weiterhin wählen geht, denn "die Hoffnung stirbt zuletzt".