Wien. "Überaus problematisch" sieht Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle die im Rahmen der neuen Zentralmatura geplante "Vorwissenschaftliche Arbeit". In einem Gastkommentar in der Tageszeitung "Der Standard" (Samstag-Ausgabe) befürchtet der Minister, dass sich dafür Tauschbörsen im Internet bilden und "'copy and paste' Triumphe feiern" wird. Töchterle erwartet zudem eine "bald grassierende Themennot" und vermisst "jegliche Voraussetzung" für eine solche Arbeit, wie sie an der Universität erst ein Proseminar schaffen würde.

  Die neu gestaltete Reifeprüfung soll an den AHS erstmals 2014/2015 flächendeckend zum Einsatz kommen, an den BHS 2015/2016. Die schriftliche Matura findet am selben Tag in ganz Österreich statt, mit identen, zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen. Dazu kommen noch eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) bzw. Diplomarbeit sowie eine mündliche Prüfung.

   "Zwiespältige" Bewertung

  Töchterles Resümee über die Zentralmatura fällt "zwiespältig" aus. Er sagt dazu "ja, aber nur mit Beseitigung erkannter Schwächen und Vermeidung drohender Gefahren". Als Problematik sieht Töchterle auch die Niveauhöhe: "Um österreichweit praktikabel zu sein, darf sie jedenfalls niemals zu hoch angesetzt werden, was Prüflinge aus Schulen mit bestimmten Schwerpunkten generell unterfordern wird."

  Vorteile sieht der Minister in der Standardisierung, die Möglichkeiten des Vergleichs schaffe. Damit einher gehe "ziemlich sicher eine gleichmäßigere, vielleicht auch gerechtere Beurteilung". Töchterle erwartet sich zudem, dass sich durch die Zentralmatura das Lehrerbild wandeln werde. "Die Lehrenden werden aus der Doppelfunktion des Lehrens und Prüfens in eine stärkere Partnerschaft mit ihren Anvertrauten geraten, die sie mit ihrem Wissen und Können zu einem gemeinsamen, von außen gestellten Ziel hin begleiten." Damit erhöhe sich für beide Seiten die Verantwortlichkeit.