Wien. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hat am Montag in einer Aussendung zu dem Vorfall am Wiener Schwedenplatz Stellung genommen, bei dem ein Rabbiner am vergangenen Donnerstag nach eigenen Angaben von einem Fußballfan antisemitisch beschimpft wurde. "Ich sehe eine große Gefahr in der Passivität einzelner Beamter der Exekutive gegenüber antisemitischer Aggression", schrieb IKG-Präsident Oskar Deutsch.

  Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl habe ihm in einem Telefonat seine Bestürzung über den Vorfall versichert und der IKG vollständige Aufklärung zugesagt, erklärte Deutsch. Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne würde gemäß den Bestimmungen des Verbotsgesetzes selbstverständlich geahndet.

 
Polizist sah tatenlos zu
In einem schriftlichen Protokoll schilderte der Wiener Rabbiner, dass die Polizei nach dem Vorfall nicht eingeschritten wäre, obwohl Beamten nur wenige Meter vom Ort des Geschehens entfernt gewesen wäre und von dem Geistlichen auch aufgefordert worden wäre, etwas zu unternehmen. "Einen Rabbiner schutzlos den antisemitischen Beschimpfungen eines Fußballfans zu überlassen, wie am Donnerstag vergangene Woche am Schwedenplatz geschehen, kann nicht mit Deeskalation argumentiert werden und bedarf einer dringenden Korrektur. Antisemitismus darf nicht ein tolerierter Bestandteil der Fußballkultur sein", kommentierte Deutsch. Ort des Geschehens war die Wiener Innenstadt, als sich dort im Zuge des Fußball-Europa-League-Qualifikationsspiels gegen SK Rapid Anhänger der griechischen Fußballmannschaft PAOK Saloniki versammelt hatten.

  Die Israelitische Kultusgemeinde betonte in ihrer Aussendung, dass sie mit der Führungsebene der Exekutive seit langem einen guten Kontakt habe und sich hinsichtlich Sicherheitsfragen auf eine ausgezeichnete Kooperation verlassen könne.