Wien.

Tippen statt kritzeln, Bildschirme statt Bücher - das Klassenzimmer der Zukunft. - © © Sandy Huffaker/Corbis
Tippen statt kritzeln, Bildschirme statt Bücher - das Klassenzimmer der Zukunft. - © © Sandy Huffaker/Corbis
Den USB-Stick noch schnell in die Hosentasche gesteckt statt die Schultasche um die Schulter gehängt: Der Schüler der Zukunft geht mit leichtem Gepäck zum Unterricht. Das Wissen, das ihm vermittelt wird, trägt er nicht in zentimeterdicken Büchern und Heftstapeln, sondern auf einem winzigkleinen elektronischen Speichermedium mit sich herum - zumindest, wenn es nach den Schulräten und der Pädagogischen Hochschule geht. Fokussieren diese doch zunehmend auf E-Learning: Lernen, bei dem elektronische oder digitale Medien für Präsentation und Distribution von Lernmaterialien zum Einsatz kommen. Mitunter wird auf Internetplattformen kommuniziert. In Wien werden 30 Millionen Euro in die sukzessive Erneuerung der Schul-Computer bis 2016 investiert, wie Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch betonte.

Nun schlagen allerdings die Eltern Alarm. Sie fürchten, dass diese rasante Entwicklung in einen rein elektronischen Unterricht mündet. "Wir sind strikt dagegen, dass keine Printmedien mehr in den Schulunterricht einfließen", sagt Andreas Ehlers vom Österreichischen Elternverein zur "Wiener Zeitung". Freilich sei E-Learning ein wichtiges ergänzendes Hilfsmittel - der Stick dürfe jedoch nicht zum Schulbuchersatz werden.

Die Gefahr dabei: Ein verantwortungsloser Lehrer könne die Schüler einfach Internet-Adressen nachschlagen lassen, um selbst weniger Arbeit mit der Wissensvermittlung zu haben. "Kinder mit den Möglichkeiten des Internets allein zu lassen ist aber verbrecherisch", so Ehlers, "der Lehrer muss ihnen vorher unbedingt beibringen, sich kritisch damit auseinanderzusetzen." Das Wichtigste am E-Learning sei, es stets altersadäquat einzusetzen. Basiskompetenzen in Lesen, Schreiben und Mathematik sollten weiter mit Hilfe von Büchern, im Rahmen der Mensch-Mensch-Beziehung erworben werden.

Ausdrucke kosten
etwas - Schulbücher nicht


"Zu glauben, das elektronische Schulbuch kostet nichts, ist nämlich auch falsch. Fakt ist: Wenn man einen Ausdruck will, müssen ihn die Eltern zahlen. Für Schulbücher gibt es hingegen seit dem vorigen Jahr gar keinen Selbstbehalt mehr", fährt Ehlers fort, der bei der Verwendung von elektronischen Medien ein weiteres Problem ortet. "Der Schulalltag könnte etwa so aussehen: Der Schüler kommt in der Früh zum Lehrer und sagt: ,Entschuldigung, ich hab’ den Stick verloren.‘ Oder: ,So ein Pech, der Stick ist kaputt, gestern war meine Hausübung noch drauf.‘" Vor allem Letzteres könne mit einer im Heft verewigten Arbeit nicht passieren.