Wien. (rel) Der Zeitaufwand der Studenten für Erwerbstätigkeit ist in den vergangenen Jahren gestiegen, ihr Budget dagegen aber real gesunken. Das geht aus dem Studenten-Sozialbericht für 2011 hervor, der am Freitag von Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle präsentiert wurde. Demnach ist der Anteil der während des Semesters erwerbstätigen Studenten zwischen 2006 und 2011 von 58 auf 63 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum nahm auch der wöchentliche Zeitaufwand für den Job von durchschnittlich 19,1 auf 19,8 Stunden zu.

Bemerkenswert ist, dass trotz der Steigerung bei Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit das monatliche Einkommen der Studenten - inflationsbedingt - gesunken ist. 2011 verfügte jeder Student über ein durchschnittliches Budget in der Höhe von 1004 Euro pro Monat. Gegenüber dem Jahr 2009 ist das ein Minus von zwei Prozent. 419 Euro der Mittel stammen aus Erwerbstätigkeit, 244 Euro kommen von der Familie, 140 aus Naturalleistungen, 77 aus der Studienförderung und 124 aus sonstigen Quellen.

Demgegenüber sind die Ausgaben um drei Prozent auf monatlich 930 Euro gestiegen. Grund dafür sind Preiserhöhungen in den Bereichen Wohnen (plus neun Prozent) und Ernährung (plus fünf Prozent). Zu spüren bekommt das laut Studie fast jeder Dritte: So gaben 29 Prozent der Befragten an, unter "starken finanziellen Schwierigkeiten" zu leiden. Am stärksten betroffen sind Studierende der Altersgruppe von 26 bis 30 Jahren. Sie haben monatlich bis zu 700 Euro zur Verfügung. Viele von ihnen gehören überdies unteren sozialen Schichten an. Allerdings ist ihr Anteil an den Universitäten seit 1998 von einst 26 auf nun 17 Prozent zurückgegangen.

Nur 6 Prozent schließen Studium in Mindestzeit ab

Trotz aller wirtschaftlichen Risiken positiv entwickelt hat sich die Anzahl der Studierenden. Ihr Anteil stieg seit 2009 um 18 Prozent auf aktuell 315.000 Inskribierte. Töchterle bezeichnete die Zunahme als "positiven Trend", übte aber gleichzeitig Kritik an der "langen Verweildauer" vieler Studenten. Folglich würden durchschnittlich nur sechs Prozent ihr Studium in der Mindeststudienzeit (acht Semester) und 13 Prozent innerhalb von 12 Semestern abschließen. Dass der Anteil der Bezieher von Familien- und Studienbeihilfe zurückgegangen ist, führt Töchterle auf die 2008 erfolgte Abschaffung der Studienbeiträge zurück. Neuerlich sagte der Minister, dass er "das Mögliche" tue, um die Studienbeihilfen auszubauen, das habe aber budgetäre Grenzen. Eine kräftige Erhöhung bei den Stipendien sei aber nur bei gleichzeitiger Einführung von Studienbeiträgen vorstellbar. Davon profitieren sollen vor allem die 20 Prozent sozial schwachen Studierenden.

Hochschülerschaft fordert Grundstipendium für alle

Dass nur 15 Prozent der Studenten Studienbeihilfe beziehen, bezeichnete ÖH-Vizechefin Angelika Gruber als "schockierend". Es sei nur schwer vorstellbar, dass man mit der Höchststudienbeihilfe von 674 Euro pro Monat - die ohnehin nur ein Prozent der Studenten erhalten - auskommen könne, geschweige denn mit den im Schnitt ausbezahlten 272 Euro, meinte sie. Ihre Forderung: ein Grundstipendium für alle und Inflationsanpassung der Beihilfen.