Wien.

"Über Namen zu reden ist Zeitverschwendung", erklärte Frank Stronach. - © SOEREN STACHE
"Über Namen zu reden ist Zeitverschwendung", erklärte Frank Stronach. - © SOEREN STACHE
Am kommenden Donnerstag lässt Frank Stronach die Katze aus dem Sack. Unter dem Titel "Frank Stronach - Neue Werte für Österreich" präsentiert der politische Späteinsteiger "seine Lösungsvorschläge für Österreich". Schon am Montagabend gab er beim Puls4-"Herbstgespräch" einen kleinen Vorgeschmack.

Für die Nationalratswahl in einem Jahr kündigte Stronach an: "Ja, ich bin Spitzenkandidat und werde auch im Parlament sein." Ganz unbescheiden sein Wahlziels: "Ziel ist Platz eins." Bezüglich etwaiger Koalitionspartner wich Stronach aus: Er könne "mit jeden zusammenarbeiten", seine Werte seien aber nicht verkaufbar.

Welche Werte und Inhalte das sind, da ließ Stronach im Puls4-Gespräch vieles vage. Auch bezüglich des künftigen Umgangs mit dem Euro, wo er zuletzt 17 verschiedene Euros vorgeschlagen hat. "Ich bin noch immer am nachdenken", festlegen will er sich bis April. Allerdings habe er nie die Abschaffung des Euro gefordert, "aber so wie es jetzt läuft, funktioniert es nicht".

Bekräftigt hat Stronach sein Interesse an einem Einstieg bei den ÖBB. Diese seien zu einer Versorgungsstation für SPÖ-Funktionäre geworden.

Für Kopfschütteln sorgte Stronach, als er sich nur mit Mühe an die Namen seiner Mitstreiter erinnern konnte. So machte er aus Robert Lugar kurzerhand Robert Krüger. Für Stronach kein Problem: Über Namen zu reden sei Zeitverschwendung. Allerdings blieb auch inhaltlich vieles unbeantwortet.

Details zu seinem Programm soll es also am Donnerstag geben. Offen ist, ob Stronach dann auch mit Neuigkeiten zu seinem Team aufwarten wird. Dieses umfasst soweit bekannt drei ehemalige BZÖler und zwei Ex-SPÖler, davon sind vier im Nationalrat (ab fünf wäre Klubstatus möglich). Gerüchte, wonach die Zusammenarbeit zwischen (ehemaligen) Freiheitlichen und (ehemaligen) Sozialdemokraten - die sich im Parlament seit Jahren heftigst bekriegen - nicht gerade friktionsfrei verläuft, werden eifrig dementiert. "Wir sind total harmonisch unterwegs", sagt Ex-BZÖler Robert Lugar zur "Wiener Zeitung". Das Programm - von dem bis Donnerstag natürlich nichts verraten wird - habe man einstimmig beschlossen.

Lugar harmonisch mit Ex-Sozialdemokraten vereint? Naja, als politische Vorbilder gibt er auf der Parlamentshomepage auch "Bruno Kreisky und Jörg Haider" an. "Haider wollte ich schon rauslöschen lassen, aber das geht offensichtlich nicht", so der Abgeordnete.

"Das Programm
lässt für jeden Platz"


Auch Christian Faul, streitbarer Ex-SPÖ-Nationalratsabgeordneter, Neo-Mitkämpfer von Stronach und selten um einen deftigen Spruch verlegen, bezeichnet Gerüchte über Reibereien als "Fehlaussage". Für ihn ist eine Zusammenarbeit mit ehemaligen politischen Gegnern kein Problem: "Die Ideologie kann man niemandem aus dem Herzen prügeln, aber das Programm lässt für jeden Platz." Daher will er auch im Team Stronach für sozialdemokratische Ideen kämpfen, denn auch außerhalb der SPÖ fühlt er sich "Arbeitern und Pensionisten verpflichtet". Stronach als pro-Arbeiter-Partei? "Stronach ist immer ein Arbeiterkind geblieben. Als die Verstaatlichte total versagt hat, hat er bei uns in Weiz 8000 Jobs geschaffen", so Faul. Für ihn ist Stronach jedenfalls "der Garant dafür, dass es keinen FPÖ-Kanzler geben wird. Das wäre für mich undenkbar", sagt Faul.

Der zweite Ex-SPÖler im Team ist Gerhard Köfer. Auch dieser will nichts von internen Reibereien wissen. Aber er lässt zumindest anklingen, dass ihm die Zusammenarbeit mit Ex-Orangen nicht wirklich behagt. "Sollte es im Nationalrat einen Klub geben, der aus BZÖ-Abgeordneten besteht (wofür noch zwei weitere BZÖler die Fronten wechseln müssten, Anm.), werde ich nicht beitreten, sondern unabhängiger Abgeordneter bleiben", so Köfer.

Für Stronach will der Spittaler Bürgermeister bei der nächsten Wahl in den Kärntner Landtag einziehen. Dabei hat Köfer wesentlich weniger Berührungsängste. In seinem Team seien Personen aus allen Parteien, denn "Farbenlehre sollte keine Rolle mehr spielen".

Auch mit dem Klubzwang will Köfer aufräumen: "In unserer Landesgruppe werden wir das freie Mandat leben." Wie dies auf Bundesebene gestaltet werde, sei Entscheidung von Stronach.