Wien. So pompös mit der Orangerie im Schloss Schönbrunn der Ort gewählt war, so bescheiden war der Auftritt: keine Fanfaren, kein Einpeitscher, nichts. Plötzlich kam er einfach - und überraschte die Kameraleute, die einander in der Folge schier über den Haufen rannten.

Doch mit der Bescheidenheit hatte es sich bald, als der austro-kanadische Milliardär ("Trend" schätzt sein Vermögen auf vier Milliarden Euro) Frank Stronach vor rund 200 Journalisten und Neugierigen seine neue Partei "Team Stronach - Neue Werte für Österreich" präsentierte. Von einem Team war allerdings nicht viel zu sehen. Stronachs Mitstreiter, vor allem jene übergelaufenen Nationalratsabgeordneten, die mit ihrer Unterschrift erst ein Antreten bei der nächsten Wahl ohne mühsames Sammeln von Unterstützungserklärungen ermöglichen, mussten mit einem Stehtisch im hinteren Teil des Saals vorlieb nehmen. Am Podium saß Stronach mit Pressesprecher und politischer Beraterin und inszenierte sich selbst. Und das ohne jegliche Bescheidenheit.

Zur Einleitung gab es einen Film, in dem unter anderen Bill Clinton und US-Talker Larry King erklärten, was ihr "good friend" Frank nicht für ein guter Unternehmer sei. Was unbestritten ist. So wurde Stronach nicht müde, seine unternehmerischen Leistungen hervorzuheben: "Ich bin in der Welt angesehen als einer der besten Wirtschaftsmanager", ausgestattet mit allen nur erdenklichen Auszeichnungen aus aller Welt, der Tausende und Abertausende Arbeitsplätze geschaffen hat - und es eigentlich gar nicht nötig hätte, sich die Politik anzutun.

Aber: "Der liebe Gott hat mich in meine Heimat zurückgeschickt" und "ich liebe meine Heimat". Daher sei das politische Engagement "nicht Dummheit, sondern Verpflichtung", "um Österreich zum Guten zu verändern". Für Stronach heißt das: "Weniger Politik, mehr Wahrheit, Transparenz und Fairness".

Zwischendurch ein Gebet im Wald

Neben dem Herausstreichen seiner unternehmerischen Fähigkeiten wurde Stronach aber auch nicht müde, sich als "Mann des Volkes", als "Kind aus einer Arbeiterfamilie" darzustellen. Seine Ausführungen erinnerten denn auch sehr an US-Wahlkämpfe. Das ging bis ins Schmalzige, etwa wenn er erklärte, dass er manchmal im Wald spazieren geht, sich dort auf einen Stein setzt und ein Gebet sagt, "weil das Leben so gut zu mir war. Da frag ich mich dann: Kann ich auch gut zum Leben sein?"

Als erfolgreicher "Unternehmer mit großem sozialen Gewissen" (laut Filmeinspielung) und Mann des Volkes stellt sich Stronach dann auch die Frage nach der "idealen Gesellschaft". Für den 80-Jährigen, der demnächst seine Autobiografie veröffentlicht ("Das wird sicher ein Bestseller.") ist es "schade, dass so wenig Leute ökonomisch frei sind". Seine Vorstellung: Wer 20 Jahre gearbeitet hat und "ein einfaches Leben" geführt hat ("In der Einfachheit liegt die Kunst, sag ich immer."), müsse so viel Geld gespart haben, dass er von den Zinsen leben könne.

"Die einzelne Person darf nicht verloren gehen", so Stronach, "aber es ist die Wirtschaft, die Wirtschaft, die Wirtschaft", die letztlich zählt. "Wenn die Wirtschaft nicht funktioniere, dann funktioniere gar nichts. Und daher will Stronach die Wirtschaft - genauer: die Unternehmen - entlasten. So sollen Unternehmen, die ihre Gewinne in Österreich reinvestieren, von Steuern befreit werden. Im Steuersystem will er eine "Fair Tax", einen einheitlichen Steuersatz, der binnen fünf Jahren auf 25 Prozent gesenkt werden soll.

Nun war Stronach also doch noch thematisch in der Politik angekommen, wobei er an der Bundesregierung kein gutes Haar ließ. Diese mache "nur Schulden und verteilt Wahlzuckerln" und "dann tut der Michl Häupl sich auch noch ein bissl einmischen und der Erwin Pröll auch". Die Regierung müsse ein ausbalanciertes Budget haben mit einem kleinen Überschuss, "damit wir die Schulden zurückzahlen können". Schulden sind überhaupt ein rotes Tuch für den 80-Jährigen, der diesbezüglich auch scharf gegen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel schoss ("Sie ist entweder zu dumm oder auf Seiten der Banken").

Was er konkret politisch plant, will Stronach in den kommenden sechs Monaten ausarbeiten lassen. Im April soll das Wahlprogramm der Partei stehen. Ein paar Details ließ er sich aber schon am Donnerstag entlocken. In Sachen Verwaltungsreform soll "alles durchleuchtet" werden. So sollen etwa die 21 Sozialversicherungen ("Alle mit Präsident mit Büro und Chauffeur.") durch eine staatliche Sozialversicherung ersetzt werden. In Sachen Bundesheer fordert er ein kleines, gut ausgerüstetes Berufsheer für den reinen Verteidigungsfall. Neben einem freiwilligen zweijährigen Wehrdienst soll es auch die Möglichkeit eines Zivildienstes geben, "wo die Jungen Menschen a bissl a Ausbildung und a bissl a Taschengeld kriegen".