Kowall: Das ist uns gut gelungen, aber es wäre mehr möglich. Wenn man sich mehr konzentriert auf Überzeugungen und weniger auf das taktische Tagesgeschehen, wenn man den Vertretern des neoliberalen Zeitgeistes gegenüber offensiver auftreten würde, könnte man viel mehr herausholen.

Frau Lapp, stört nicht gerade das Viele, dass die Partei nicht mehr links genug ist?

Lapp: Ich hätte Angst, dass man die Mitte der Gesellschaft verliert, wenn man prononciert linke Positionen viel stärker herausarbeitet. Es ist eine schwierige Gratwanderung. Was sind linke Themen? Umverteilung, Gerechtigkeit und Solidarität. Das sind die Grundfesten der Sozialdemokratie. Das können wir bei jedem politischen Feld - Bildung, Steuern, Finanzen - als Parameter anlegen. Ich will nicht wie "Die Linke" in Deutschland werden. Ich will Angebote für alle Menschen der Gesellschaft haben.

Im U-Ausschuss hat die SPÖ in der Inseratenaffäre eine sehr unrühmliche Rolle gespielt. Wie sehr schadet das der Partei?

Kowall: Es schadet nicht so sehr, wie die Leitartikler glauben. "Größter Skandal in der Zweiten Republik" - eine krassere Fehleinschätzung gibt es kaum. Wir werden es in einem Jahr sehen. Bis dahin kann sich noch viel tun. Es gibt aber sicher Gruppen, wo das langfristig Schaden anrichtet. Die Journalisten, die nicht im Boulevard sitzen, nicht von der SPÖ gefüttert werden und ihre Gewissensfreiheit hochhalten, werden versuchen, uns bei jeder Gelegenheit eins auszuwischen. Die Kontrolle über ein paar Boulevardmedien hilft uns vielleicht ein paar Mal, ist aber mittelfristig ein Verlustgeschäft.

Wie haben Sie das Ihrer Basis in Simmering erklärt, dass der Kanzler nicht geladen werden konnte?

Lapp: Weil der Staatssekretär geladen wurde und alles erklärt hat. Der Bruch im U-Ausschuss war für mich die Weigerung der Ausschussvorsitzenden im August, einen Vier-Parteien-Antrag zu akzeptieren. Dadurch hat sich das Klima im Ausschuss geändert. Vorher haben alle Parteien darauf geachtet, dass man auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Aber wenn sich die Dr. Moser am Nasenring vom Dr. Pilz durch den Ausschuss ziehen lässt - wir lassen das nicht mit uns machen.