Wien. Seit diesem Frühjahr führt Oskar Deutsch die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien. Bei der IKG-Wahl am 11. November tritt er als Spitzenkandidat der Fraktion Atid (Zukunft) an. Die von internen Kritikern vorgeworfene finanzielle Intransparenz der IKG bestreitet er, räumt aber ein, dass es im Vorfeld Koalitionsverhandlungen mit der bucharischen Gemeinde gegeben hat.

"Wir müssen den schwächeren Mitgliedern helfen" , betont Oskar Deutsch. Anderas Pessenlehner - © Wiener Zeitung
"Wir müssen den schwächeren Mitgliedern helfen" , betont Oskar Deutsch. Anderas Pessenlehner - © Wiener Zeitung

"Wiener Zeitung": Atid stellt seit 14 Jahren den IKG-Präsidenten. Hat sich die jüdische Gemeinde in dieser Zeit verändert?

Oskar Deutsch: Wir haben für diese Gemeinde ein neues Selbstbewusstsein geschaffen. Die Stimme des Präsidenten, aber auch der jüdischen Gemeinde wird in der österreichischen Gesellschaft gehört. Wir schrecken nicht mehr zurück, wenn es antisemitische oder ausländerfeindliche Meldungen gibt, sondern wir beziehen klar Stellung.

Wir haben die Infrastruktur weiter ausgebaut - es gibt nun den IKG-Campus mit Zwi Perez Chajes-Schule, dem Elternheim Maimonides Zentrum, dem Hakoah Sportzentrum. Das Kulturprogramm kann sich sehen lassen. Wir haben die Einnahmen aus den Immobilien stark gesteigert. Ein Gemeinderabbiner steht nun dem Oberrabbiner zur Seite, ist ihm behilflich und setzt zusätzliche Aktivitäten. Und wir haben unsere Zeitung und den gesamten Medienauftritt modernisiert.

Innerhalb der Wiener Gemeinde gibt es aber auch Kritiker, die meinen, es wurde viel gebaut, aber nicht alles werde genutzt.

Im Gegensatz zu manch einem Kritiker bin ich als IKG-Präsident einmal im Monat on tour, das heißt, ich komme in die ZPC-Schule, ins Maimonides Zentrum, zu Esra (dem psychosozialen Zentrum der IKG, Anm.), ins JBBZ (Jüdisches Berufliches Bildungszentrum, Anm.) und rede mit den Menschen dort. Bei diesen Besuchen spürt man, dass die Gemeinde in diesen Institutionen pulsiert: 430 Kinder besuchen die Schule, das Maimonides Zentrum ist komplett ausgelastet, Esra wird von vielen Gemeindemitgliedern in Anspruch genommen und das JBBZ ist eine in der jüdischen Welt einzigartige Institution, in der man die Möglichkeit hat, einen Beruf zu erlernen. Einfach zu sagen, wir fordern mehr jüdisches Leben, das ist doch keine seriöse Politik, das sind Worthülsen. Hier gibt es jüdisches Leben. Viele andere Städte in Europa beneiden uns um diese Infrastruktur, auch die koschere Infrastruktur.