Abwehren und aufklären: Das sind die Ziele von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner im Kampf gegen Cyberkriminalität. - © WZ / Andreas Pessenlehner
Abwehren und aufklären: Das sind die Ziele von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner im Kampf gegen Cyberkriminalität. - © WZ / Andreas Pessenlehner

Wien/St. Pölten. (temp) Spams, Viren, Passwort-Missbrauch: Das Gefahrenpotenzial im Bereich Internetkriminalität nimmt stetig zu. Der Schaden, der dadurch entsteht, ist bereits zehnmal höher als jener aller anderen Arten von Kriminalität - Europol schätzt ihn auf 750 Milliarden Euro weltweit. In Österreich liegt er bei zehn bis zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Die Zahl der Anzeigen stieg von 3114 im dritten Quartal des Vorjahres um 150 Prozent auf heuer 7729 an, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner am Donnerstag vor Journalisten betonte. Es sei höchste Zeit, zu handeln, sagte sie - und stellte jene neuen Initiativen vor, die nun im Kampf gegen die Cyberkriminalität starten.

"Im Rahmen der Gesamtstrategie ,Cybercrime‘ etwa werden österreichweit Bezirks-IT-Ermittler eingesetzt", so Mikl-Leitner. Bis Ende des Jahres sollen es insgesamt 105 sein, sie werden derzeit speziell auf die Bekämpfung der Internetkriminalität geschult. Dazu gehört auch die Datenforensik, die helfen soll, etwa nach der Sicherstellung eines Mobiltelefons in einem Kriminalfall an die Hintermänner zu kommen. Zusätzlich sollen 300 ebenfalls gezielt ausgebildete "Cybercops" in den Polizei-Inspektionen als erste Ansprechstelle für die Bevölkerung eingesetzt werden.

Nationale und zentrale Koordinationsstelle


Als nationale und zentrale Koordinierungsstelle wird indes im Bundeskriminalamt in Wien derzeit das "Cybercrime Competence Center" (C4) eingerichtet: das Hauptquartier, so die Innenministerin, in dem Experten an der Bekämpfung von Cyberkriminalität arbeiten. Auch die technische Unterstützung für die nachgeordneten Dienststellen soll hier sichergestellt werden.

Neben der nationalen Ebene soll aber auch auf regionaler Ebene der Fokus auf die Eindämmung der Internetkriminalität gerichtet werden. In Niederösterreich ist eine erste Vortragsreihe zu diesem Thema geplant, die bei der Sensibilisierung, Aufklärung und Prävention helfen soll. Sie ist Teil der Initiative "Schutz vor Cyberkriminalität", die am Mittwoch startete und sich vor allem an Klein- und Mittelbetriebe (KMU) richtet. Der erste Vortrag ist am 6. Dezember, der Ort der Veranstaltung noch ungewiss.

"Gerade Klein- und Mittelbetriebe haben oft nicht genug Zeit oder Ressourcen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen", sagte Landesrätin Petra Bohuslav - der Schaden, der entstehen kann, sei aber gerade für KMU mitunter existenzbedrohend.

Mikl-Leitner fordert daher alle Betriebe auf, Internetbetrügereien zu melden und nicht Angst um ihr Image zu haben. Auch Privatpersonen sollen Bescheid geben und nicht denken: "Den Täter erwischt man ja sowieso nicht." Denn: Je mehr Hinweise die Ermittler bekämen, desto dichter könne das Netz der Bekämpfung gesponnen werden.

Und wie können sich Konsumenten schützen? Mikl-Leitner rät: Wer etwas bei einem neuen oder unbekannten Webshop bestellt, soll vorerst eine falsche Kreditkartennummer angeben. "Erst wenn sich die Firma meldet, kann man davon ausgehen, dass sie legitim ist."