Wien. "Türkei - Tal der Ruhe und Erholung" begrüßt ein Schild an einer Landstraße den Besucher. Ein darauf abgebildeter dunkelhäutiger Mann mit Turban macht eine einladende Geste in die hügelige Landschaft mit unauffälligen Einfamilienhäusern, Bauernhöfen, Dorfwirt, Supermarkt, Kirche - ein typisch österreichisches Setting. Diese Türkei liegt in Kärnten. Das Tal verdankt seinen Namen einem osmanischen Heerhaufen, den es 1478 während der Türkenkriege in die Provinz verschlug.

Gernot Stanfel betont Rolle des Islams in der Geschichte. - © Stanislav Jenis
Gernot Stanfel betont Rolle des Islams in der Geschichte. - © Stanislav Jenis

Es ist nur eine der vielen islamischen Spuren, der sich die Ausstellung "Ostarrichislam" in der Volkshochschule Urania (Urania-straße 1, 1010 Wien) widmet. Mehr als 30 Fototafeln dokumentieren bis 19. Dezember Berührungspunkte Österreichs mit der islamischen Kultur. Ein gleichnamiges Buch wurde auch herausgebracht. Projektinitiatorin ist Amena Shakir, Leiterin des Privaten Studiengangs für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen. Sie will "neue Einblicke auf alte, oftmals sicherlich auch bekannte Orte ermöglichen. Diese werden aus neuen Perspektiven beleuchtet, die jedem Menschen, der in Österreich lebt, einen neuen Blickwinkel bieten."

"Ostarrichislam" webt einen Teppich, der oft überraschende Überschneidungen aufzeigt, wie eine Kapelle aus dem zwölften Jahrhundert in Pürgg, über deren Chorbogen zehn Mal das Wort Allah geschrieben steht. Österreichs Grenzlage habe den kulturellen Austausch begünstigt, erzählt Gernot Galib Stanfel, Mitkurator der Ausstellung. "Gerade Wien war nicht nur Ort kriegerischer Auseinandersetzungen, sondern auch kultureller Kontakte."

Ein Musterbeispiel befindet sich in der Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums. Der 900 Jahre alte Krönungsmantel der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches - und somit auch der Habsburger bis hin zu Franz II. (1768-1835) - wurde von Muslimen im Auftrag von Kaiser Friedrich II. angefertigt, der enge Beziehungen zur arabischen Welt pflegte. Auf dem Prunkgewand steht ein Herrscherlob in arabischer Kufischrift mit Datierung nach islamischem Kalender.

"Wir sprechen immer vom christlich-jüdischen Kulturraum, aber der Islam hat auch einen Anteil an der europäischen Kultur. In Österreich und Spanien wird das vielleicht am prägnantesten deutlich", findet Stanfel. Im historischen Bewusstsein der Österreicher seien jedoch die Türkenkriege geblieben. Das Bild Österreichs als Bollwerk gegen den übermächtigen Eindringling von außen musste auch für politische Intentionen herhalten. Dollfuß benutzte es bei einer aufwendigen Jubiläumsfeier zur Erinnerung an die Zweite Türkenbelagerung, um damit indirekt, aber deutlich, ein Zeichen der Abgrenzung zu Deutschland zu setzen, das gerade imperialistische Großmachtansprüche an Österreich stellte.