Wien. (zaw) Wer sich vom Team Stronach einen parlamentarischen Einstand mit Pauken und Trompeten erwartet hat, wurde enttäuscht. Bei seiner ersten ordentlichen Nationalratssitzung fiel der neue Parlamentsklub nicht sonderlich auf. Man habe mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) vereinbart, in der Budgetwoche auf "Sonderaktionen" wie etwa eine Dringliche Anfrage zu verzichteten, so Neo-Klubobmann Robert Lugar. Außerdem wolle sich der Klub erst noch konsolidieren.

Mittlerweile hat das Team Stronach eigentlich alles, was zu einem richtigen Klub gehört: einen Klubdirektor, Mitarbeiter, Räumlichkeiten, einen offiziellen Namen ("Team Stronach", obwohl ursprünglich "Team Stronach für Österreich" vorgesehen war, aber darauf wurde dem Vernehmen nach in der Hitze des Gefechts vergessen), eine Kurzbezeichnung (STRONACH, analog zu SPÖ oder ÖVP) und ein Kürzel (T, analog zu S, V, F, G und B).

Auch eine Farbe hat das Team Stronach - zumindest im Sitzplan auf der Parlamentshomepage. Dort sind die Stronach-Plätze gelb. Man habe eine unterscheidbare Farbe gebraucht und sich mit dem Team auf Gelb geeinigt, sagt Parlamentsvizedirektorin Susanne Janistyn zur "Wiener Zeitung".

12,8 Minuten Redezeit

pro Stronach-Mandatar

Was für einige Schwierigkeiten und Unzufriedenheit sorgte, war die Einarbeitung des Teams in die Redezeitverteilung. Pro "Wiener Stunde" (die derzeit 69 Minuten beträgt) stehen Stronach 8 Minuten Redezeit zu. Bei einer auf acht Wiener Stunden angesetzten Sitzung also 64 Minuten. Für jeden der fünf Mandatare sind das 12,8 Minuten. Völlig unverhältnismäßig, hört man dazu aus SPÖ und ÖVP, die jeweils nur 112 Minuten Redezeit bekommen. Für die 56 SPÖler bedeutet das 2 Minuten pro Person, bei der ÖVP mit 51 Mandaten sind es 2,2 Minuten. Die 37 Freiheitlichen teilen sich 100 Minuten (2,7 pro Person), die 20 Grünen kommen auf je 4,4 Minuten (88 insgesamt), das BZÖ auf 5,8 Minuten pro Mandatar (76). Angesichts dieses Ungleichgewichts werden vor allem in den großen Fraktionen Rufe nach einer Reform des Verteilungsschlüssels laut. Für diese Plenarwoche wird aber noch am bisherigen System festhalten.