Wien/Linz. Das Rennen um den Ausgang der Volksbefragung zur Wehrpflicht könnte laut Meinungsforschern des Linzer Instituts Spectra knapper werden als vermutet. Es gebe zwar eine Grundstimmung pro Beibehaltung, mit zunehmendem Informationsgrad verschiebe sich die Meinung aber zugunsten eines Berufsheeres. Das ergab eine Umfrage, deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht wurden.

Ein Drittel ist immer noch ahnungslos

Grundsätzlich haben neun von zehn Österreichern gehört, dass eine Volksbefragung zum Thema Wehrpflicht ins Haus steht. Ein gutes Drittel hat aber laut Umfrage keine Ahnung, welche Partei welche Position in der Sache vertritt. Immerhin 56 Prozent wissen sicher, dass die SPÖ die Wehrpflicht abschaffen will. 49 Prozent ist bewusst, dass die ÖVP das Bundesheer beibehalten möchte.

Männer und ältere Personen sind bei Thema firmer als Frauen und Jüngere. Vielen ist nicht einmal die Linie der eigenen Partei klar: So kennen nur 73 Prozent der SPÖ-Klientel die Position der Sozialdemokraten und nur 61 Prozent jene der ÖVP. Von der schwarzen Wählerschaft wussten 61 Prozent um die rote, aber nur 53 Prozent um die schwarze Haltung in der Debatte.

Probleme für soziale Einrichtungen befürchtet

Besser informiert sind die Österreicher darüber, dass eine Abschaffung der Wehrpflicht auch das Ende des Zivildienstes bedeuten würde. 72 Prozent ist das klar, 28 Prozent war es nicht bekannt. 66 Prozent erwarten, dass sich durch den Wegfall der Zivis Probleme für soziale Einrichtungen ergeben werden, 13 Prozent denken das nicht.

Die Meinungsforscher führten mit den Befragten ein Experiment durch: Eine Gruppe wurde über die Modelle der beiden Parteien genau aufgeklärt, die andere nicht. Anschließend wurden sie nach ihrer Ansicht gefragt. Unter den Informierten waren mit 32 Prozent deutlich weniger für das Pro-Wehrpflicht-Modell der ÖVP als unter den Nicht-Informierten (45 Prozent).

Die Zahl der Berufsheer-Befürworter war im Gegenzug unter den Gebrieften mit 29 Prozent deutlich höher als bei den anderen (19 Prozent). Die Zahl der Unentschlossenen blieb in etwa gleich. Die Testpersonen jener Gruppe, die nähere Informationen erhalten hatte, bewertete danach das SPÖ-Modell zu 39 Prozent als gut oder sehr gut. Das ÖVP Modell schnitt mit 42 Prozent Positiv-Bewertungen aber immer noch etwas besser ab.

SPÖ müsste auf Fakten setzen

Fazit der Meinungsforscher: "Durch das langwierige Hick-Hack haben die Parteien einen großen Teil der Österreicher ratlos und desinteressiert zurückgelassen." Wenn es der SPÖ gelingen sollte, die Debatte von der Parteiebene zu lösen und auf die Fakten zu beschränken, könnte die Entscheidung knapp werden, so Spectra. Für die Umfrage wurden 1.051 repräsentativ für die österreichische Bevölkerung über 15 Jahre ausgewählte Personen in persönlichen Interviews um ihre Meinung gebeten.