Wien. (sir) Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es der Sport geschafft hat, erstmals in der Geschichte des österreichischen Parlamentarismus einen Sechs-Parteien-Antrag hervorzubringen. Ausgerechnet der Sport, der bis auf die inoffizielle Gute-Laune-Klausur der Regierung beim Schladminger Nachtslalom wenig bis gar keine Entsprechung in der heimischen Politik findet.

Nun aber sind alle Fraktionen dafür, die vom Sport geforderte tägliche Turnstunde umzusetzen. Am Freitag wurde ein entsprechender Entschließungsantrag beschlossen, der von der Regierung Konzepte für eine Umsetzung einfordert. Bildungsministerin Claudia Schmied reagierte prompt mit einem Acht-Punkte-Programm. Allerdings fehlt diesem die Verbindlichkeit.

Kooperationen mit Sportvereinen sollen ausgebaut werden, mehr als die bisher 10 Prozent aller Volksschulen sollen Sportschwerpunkte setzen, andere Schulen sollen Freigegenstände dem Sport widmen. In seiner Aussendung verweist das Ministerium immer wieder auf die Schulautonomie, man werde werben und motivieren, heißt es da, etwa dass der Sport auf den Stundentafeln direkt an den Schulstandorten aufscheint.

Argument Ganztagsschule

Erneut betont Schmied die Notwendigkeit der Ganztagsschule. Den Sechs-Parteien-Antrag interpretiert die Bildungsministerin auch als Rückenwind in dieser Frage, sie ortet eine "weitere Dynamik beim Ausbau der Ganztagsschulen".

Dass Schmied die tägliche Turnstunde mit einem der emotionalen Streitpunkte in der Bildungspolitik verknüpft, ruft bei Peter Kleinmann, dem Vizepräsidenten der Bundessportorganisation und Volleyball-Manager, Ärger hervor. "Es geht um die Sache und nicht um eine politische Gegenforderung, das ist nicht korrekt. Die tägliche Bewegung hat einfach zu kommen, egal welche Schulform wir haben", sagt Kleinmann. "Da gibt es keinen Kompromiss."

In seiner Entschlossenheit wirkt Peter Kleinmann wie ein frischgebackener, voll Idealismus sprühender Neo-Funktionär, dabei ist er schon 65 Jahre alt und seit Jahrzehnten im heimischen Sport tätig. Und die Diskussion um mehr Turnstunden reichen ebenso Jahrzehnte zurück. Vor der Nationalratswahl 2008 bekannten sich alle Parteien zur Forderung nach einer täglichen Turnstunde, passiert ist jedoch rein gar nichts, nicht einmal ein kleiner Schritt in diese Richtung.

Trainer in Kindergärten?

Was also ist nun anders? "Dass es erstmals eine echte öffentliche Diskussion gibt", sagt Kleinmann. Er ist auch einer der Initiatoren der Petition für eine tägliche Turnstunde, die bisher von rund 85.000 Menschen unterschrieben wurde. Um der auch im bildlichen Sinn zunehmenden Bewegungslosigkeit der österreichischen Jugend entgegenzuwirken, braucht es laut Kleinmann mehr als nur Absichtserklärungen, es braucht Gesetzesänderungen, damit etwa Trainer in Volksschulen mit Kindern arbeiten können. "Die Bevölkerung will die tägliche Turnstunde, und ich werde dafür sorgen, dass das passiert", sagt Kleinmann. Der Mann pflegt seine Ziele zu erreichen. Sein Volleyballverein war 18 Mal Meister.