"Dass eine moderne, an die Realitäten des 21. Jahrhunderts angepasste Lehrbroschüre von der FPÖ als 'Skandalbroschüre' verunglimpft wird, macht einmal mehr deutlich wessen Geistes Kinder sich hinter den blauen Parteibüchern verbergen", kritisierte Traschkowitsch. Denn für den SoHo-Vorsitzenden steht fest, dass ein offener Umgang mit dem Thema Sexualität in all ihren Facetten wichtiger den je ist. "Es ist daher mehr als zu begrüßen, wenn neue Lehrmaterialien mit einer unkomplizierten Herangehensweise für unsere Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden", unterstreicht Traschkowitsch.

SJ: "Geist des Mittelalters" bei ÖVP und FPÖ
Auch das BZÖ hat in Sachen der Sexualbroschüre "Ganz schön intim" Aufklärungsbedarf: Nach ÖVP und FPÖ hat auch BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner eine parlamentarische Anfrage an Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) eingebracht, in der sie ebenfalls Auskunft über inhaltliche Vorgaben und Kosten begehrt. "Die in der Broschüre ausschließlich gezeichneten Familienbilder sind die Ausnahme und nicht die Regel. Daher ist es nicht angebracht, solche Unterrichtsmaterialien für Kinder in diesem Alter zu verteilen", so Haubner in einer Aussendung.

Begrüßt wird die Broschüre hingegen von den Grünen. "Die Aufregung von ÖVP und FPÖ über die Sexualerziehungsbroschüre 'Ganz schön intim' war regelrecht vorprogrammiert: Sexualerziehung war Konservativen und Rechten seit jeher suspekt", kritisierte Bildungssprecher Harald Walser. Die Aufklärung von Kindern sei ein wichtiger Schritt gegen Kindesmissbrauch: "Erst wenn Kinder gewohnt sind, Erwachsene auch mit peinlichen Fragen oder schwierigen Gefühlen zu konfrontieren, reden sie über selbst Erlebtes leichter."

Der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend (SJ), Wolfgang Moitzi, fragte sich angesichts der Kritik von ÖVP und FPÖ an der Broschüre: "In welchem Zeitalter leben denn ÖVP und FPÖ, wenn sie sich heute mit Händen und Füßen dagegen wehren, unterschiedliche sexuelle Orientierungen als gleichwertig anzusehen?" Aus den Beanstandungen spreche der "Geist des Mittelalters".

Schmied reagiert auf Kritik
Unterrichtsministerin Claudia Schmied reagiert auf Kritik an der in Schulen verwendeten Sexualerziehungsbroschüre "Ganz schön intim" für Sechs- bzw. Zwölfjährige. ÖVP und FPÖ hatten das Druckwerk in einer parlamentarischen Anfrage missbilligt, weil darin ihrer Meinung nach die "Kernfamilie" diskreditiert werde, verschiedenste sexuelle Ausrichtungen dafür als vollkommen gleichwertig dargestellt würden. Schmied will die Broschüre nun nochmals prüfen lassen, wie sie am Dienstag am Rande des Ministerrats sagte.

  Sie wolle zwar nicht ihre "privaten Bilder" präsentieren, so die Ministerin, prinzipiell plädiere sie aber für eine "offene Gesellschaft". Ein spezielles Bild dabei besonders hervorzuheben, erscheine ihr nicht sinnvoll.