Antoine Pinay, Wjatscheslaw Molotow, Leopold Figl, Harold Macmillan, John Foster Dulles (v.l.n.r.) am 15. Mai 1955 am Balkon des Wiener Schlosses Belvedere. Foto: Archiv
Antoine Pinay, Wjatscheslaw Molotow, Leopold Figl, Harold Macmillan, John Foster Dulles (v.l.n.r.) am 15. Mai 1955 am Balkon des Wiener Schlosses Belvedere. Foto: Archiv

Bleibt die Frage nach dem symbolischen Stellenwert dieses Dokuments für das Jahr 2010. Für den Wiener Zeithistoriker Oliver Rathkolb handelt es sich bei der mittlerweile legendären Balkonszene um den "ersten bedeutenden positiven Erinnerungsort der beiden Republiken seit 1918", der noch dazu von allen Parteien gemeinsam mitgetragen wurde. Dieser Erinnerungsort sei jedoch auch untrennbar mit dem Kalten Krieg nach 1945 verbunden und daher ohne jeden Stellenwert für die Jungen. Rathkolb: "Deshalb handelt es sich dabei letztendlich um alte Geschichte."

Für den ehemaligen NS-Widerstandskämpfer und Staatssekretär Ludwig Steiner, einem der letzten noch lebenden Zeitzeugen der Staatsvertragsverhandlungen, ist der Staatsvertrag dagegen die "Magna Charta der österreichischen Unabhängigkeit" und die "Grundlage aller darauf folgenden Politik".

Der legendär gewordene Satz von Österreichs Außenminister Leopold Figl "Österreich ist frei" sei von den Menschen damals auch so empfunden wurden, ist Steiner überzeugt, der damals im Belvedere mit dabei war. "Für alle, die das Jahr 1938 und den Anschluss an Hitler-Deutschland miterlebt haben, war die Unterzeichnung des Staatsvertrags mit einer ungeheuren Emotion verbunden", so Steiner.

Steiner diskutiert am Samstag beim Festakt mit Fußball-Idol Herbert Prohaska, der 1955 geboren wurde, und der Pop-Musikerin Anna H.

Ortstafeln: Slowenien erinnert Österreich

Sloweniens Staatspräsident Danilo Türk hat sich anlässlich des Jahrestages für die Notifizierung der slowenischen Rechtsnachfolge - ein Schritt, den Österreich ablehnt - und die Erfüllung von Artikel 7 durch Wien ausgesprochen. Auch der slowenische Außenminister Samuel Zbogar hat Österreich in einem Schreiben an das Außenamt aufgefordert, seinen Verpflichtungen gegenüber der slowenischen Minderheit in Kärnten nachzukommen. In Artikel 7 ist unter anderem die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln verankert.