"In Österreich wurde bei Korruption lange zugeschaut", sagt Franz Fiedler von Transparency International. - © Votava
"In Österreich wurde bei Korruption lange zugeschaut", sagt Franz Fiedler von Transparency International. - © Votava

Wien. A wie Alcatel, B wie Buwog, C wie Constantia, D wie Dobernig, E wie Eurofighter und so weiter. Problemlos ließe sich aus publik gewordenen Fällen, in denen zumindest ein Korruptionsverdacht im Raum steht oder stand, eine Art Lexikon des Sittenverfalls der österreichischen Politik und Wirtschaft erstellen. Und ein Zusammenhang zwischen dem Anstieg des publizistischen Gebrauchs der Unschuldsvermutung und dem Absturz in Korruptionsindizes lässt sich ebenfalls recht simpel ziehen.

Von einem Top-Ten-Platz vor sechs Jahren hat sich Österreich in dem von Transparency International (TI) herausgegebenen Index immer weiter entfernt. Im Vorjahr lag Österreich noch auf Platz 16, in diesem Jahr fiel man auf Platz 25 zurück. Weltweit ist das zwar ein respektabler Platz, schließlich scheinen 176 Länder in diesem Korruptionsindex auf. Zieht man als Vergleich jedoch nur die entwickelten Industriestaaten heran, findet sich Österreich nur noch im unteren Drittel der Liste wieder.

Nordeuropa ganz vorne


"Das sollte dem Land zu denken geben", sagt der Politikwissenschafter und Beirat von TI-Austria, Hubert Sickinger. Der von Transparency erstellte Index konzentriert sich auf Korruption im öffentlichen Sektor und bildet eine Wahrnehmung ab. Einschätzungen aus 13 Quellen fließen in den Index ein, darunter eine Umfrage des World Economic Forum, eine Studie der Weltbank sowie Expertisen von internationalen Unternehmensberatern.

Auf Rang eins finden sich in diesem Jahr Dänemark, Finnland und Neuseeland mit jeweils 90 von 100 Punkten, Österreich kommt als 25. auf 69 Punkte, noch hinter den Bahamas, Chile und Uruguay. Dass sich die skandinavischen Länder seit Jahren auf den ersten Rängen behaupten, ist kein Zufall, wie der Wirtschaftswissenschafter Friedrich Schneider von der Kepler-Universität in Linz erklärt. In Dänemark würden Unternehmen, die bei öffentlichen Vergaben schmieren oder zu schmieren versuchen, für fünf Jahre von weiteren Vergaben ausgesperrt. "Das könnte man auch in Österreich einführen", sagt Schneider.

Compliance wird wichtiger

Der Wissenschafter verweist in diesem Zusammenhang auf den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch Korruption entsteht. Ihn zu beziffern, ist freilich nicht so einfach, er dürfte aber im zweistelligen Euro-Milliardenbereich liegen. Pro Jahr. Es überrascht in dieser Hinsicht auch nicht, dass sich Staaten wie Griechenland, Spanien und Italien seit Jahren auf den letzten Rängen in der Wertung der entwickelten Industriestaaten finden. Bei den Ländern auf den vorderen Rängen finden sich gewisse Parameter wie ein hohes Bruttoinlandsprodukt und eine geringe Ungleichheit, diese fehlen den Staaten im hinteren Feld teilweise, die Korruption hemmt sie aber andererseits auf ihrem Weg zu Wachstum und Wohlstand.