Wien. Die Erwähnung einer Erkrankung führt sofort zur Beendigung von Vorstellungsgesprächen. Diese Erfahrung machten jedenfalls 82 Prozent von Arbeitslosen über 45 laut einer Umfrage der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich. Und zwei Drittel zeigten sich mit den Jobangeboten vom AMS unzufrieden, wobei ohnehin die überwiegende Mehrheit davon ausgeht, keine Arbeit mehr zu finden. Die Arbeiterkammer beleuchtet das Problem älterer Arbeitnehmer in einer Veranstaltung zum Thema: "Gesucht: Jung, gesund und flexibel - Welche Arbeitsmarktchancen erhalten gesundheitlich beeinträchtigte und ältere Menschen". AK-Vizepräsident Rudolf Kaske forderte eine gezieltere Beratung am AMS und einen "sanften Zwang" für Unternehmen, ältere Personen anzustellen. "Die Firmen frönen noch immer dem Jugendkult, obwohl die Gesellschaft immer älter wird", sagte Kaske. Eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters lehnte der künftige AK-Präsident ab, sprach sich aber dafür aus, das faktische Pensionsantrittsalter an das gesetzliche heranzuführen.

Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer räumte ein, dass bei der Beschäftigung Älterer noch ein Umdenken der Unternehmen stattfinden müsse. Das Eindämmen der "Frühpensionitis" würde diesen Prozess beschleunigen. Während von einigen Diskussionsteilnehmern ein verpflichtendes Bonus-Malus-System für Betriebe - Strafzahlungen für Unternehmen, die keine älteren Mitarbeiter beschäftigen - vorgeschlagen wurde, lehnte dies die Industriellenvereinigung ab. Sie sprach sich für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit aus.