Wien. Mit 24. Dezember liegt es genau ein Monat zurück, dass etwa 100 Flüchtlinge von der Erstaufnahmestelle in Traiskirchen rund 35 Kilometer nach Wien marschiert sind. Seither campieren im Park vor der Votivkirche einige Dutzend Flüchtlinge, um für eine Verbesserung ihrer rechtlichen Situation einzutreten. Da bis heute "nichts passiert" sei, zogen am Dienstag – am Internationalen Tag der Rechte der Migranten – rund 20 Flüchtlinge in die Votivkirche ein. In dem Neugotikbau an der Ringstraße wollten sie sich Gehör verschaffen sowie Zuflucht vor Wind und Wetter suchen.

Wenig positiv war Joseph Faruggia, Pfarrer der Votivkirche, auf die Aktion zu sprechen, die er nicht als Schutzsuche, sondern als Besetzung wertet. Er war am Dienstag aufgrund einer Weihung nicht erreichbar, fordert die Demonstranten aber via "Kathpress" dazu auf, die Kirche bis 18 Uhr zu verlassen.

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"Wir haben uns bewusst gegen das Wort ‚Besetzung‘ entschieden, denn wir wollen kein Haus Gottes übernehmen", sagte indes Clifford, einer der Flüchtlinge. Sie berufen sich auch auf das Angebot des Pfarrers von Anfang November: damals hatte dieser angeboten, die Kirche könne zum Gebet genutzt werden. Dass nun aber mit Transparenten in der Kirche protestiert werde sei "nicht abgesprochen", klagt der Pfarrer, die Polizei sei "bereits involviert".

"Es ist schwierig, das Camp zu schließen, manche können nicht mehr nach Traiskirchen zurück und stünden dann auf der Straße", so Clifford zur Zukunft des Camps. "Absurde Gerüchte", heißt es dazu aus dem Innenministerium. Weder würden sie von der Grundversorgung ausgeschlossen, noch bleibe ihnen Traiskirchen verwehrt, so ein Sprecher zur "Wiener Zeitung".

"Keine Lust auf Änderung"
Die Flüchtlinge diskutierten in der Votivkirche mit Unterstützern wie der grünen Nationalratsabgeordneten Alev Korun und SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak. "Wir wollen das System ändern. Aber die, die es ändern können, haben keine Lust dazu", so Pollak in Bezug auf Asylverfahren im "unmenschlichen" Dublin-II-System. Die Flüchtlinge schreiben dazu in einer Aussendung: "Wenn ihr unsere Forderungen nicht erfüllen wollt, löscht zumindest unsere Fingerabdrücke aus den Datenbanken und lasst uns weiterziehen. Wir haben ein Recht auf unsere Zukunft."