Wien. Ruhig und beschaulich wirkt der Wildganshof an den Nachmittagen, etwas abseits gelegen in Wien-Landstraße, nahe dem Arsenal. Keine Betonriegel dominieren hier das Bild, sondern vielmehr hohe Bäume, von denen einige wohl schon seit der Fertigstellung des Gemeindebaus im Jahr 1933 in den Himmel wachsen. 829 Wohnungen wurden damals errichtet, und der statistische Zählsprengel, der sie erfasst, verzeichnet heute mehr als 2200 Einwohner.

Neben vielen Bäumen und großzügigen Grünflächen, gibt es auch jede Menge Verbote, die einem per Metalltafeln überall begegnen. Fußballspielen ist verboten sowie Radfahren und motorisierter Verkehr eigentlich auch, aber das wird von einigen Bewohnern etwas lockerer gesehen. Nicht selten fahren einige mit dem Pkw bis zur Haustür. Ein etwas originelles Schild verbietet auch das Reparieren von Autos und Motorrädern innerhalb der Anlage. Ein Mieter lässt sich davon jedenfalls nicht abhalten und inspiziert seinen Pkw in einem der kleineren Innenhöfe. Die Tafel habe sich noch der frühere Hausmeister einfallen lassen, erzählen Mieter, die hier schon sehr lange wohnen.

Unter ihnen ist auch die Kinder- und Waldpädagogin Susanne Mlango, die hier seit 26 Jahren eine kleine Gemeindewohnung hat. Ihre Söhne sind im Wildganshof aufgewachsen, ihre Enkelkinder kommen sie fast täglich besuchen. "Hier im kleineren Hof ist es eher ruhig, Lärm war für mich nie ein Problem. Wenn Kinder bei meinem Fenster laut sind und die Enkelkinder nicht schlafen können, sage ich freundlich, dass sie ruhiger sein sollen. Das hat bisher immer funktioniert", erzählt Mlango. Im Sommer seien Jugendliche oft lange draußen, aber eher auf der anderen Seite der Anlage, wo der Fußballkäfig ist.

Viel mehr als der Gemeindebau-Klassiker Lärm stört Mlango aber die sehr karge Ausstattung mit Spielplätzen im Wildganshof. "Statt mehr für die Kinder zu tun, wurde vor einigen Jahren sogar ein Kleinkinderspielplatz ersatzlos entfernt", kritisiert die engagierte Mieterin, die sich bereits an die Bezirksvorstehung gewandt hat. Der verbliebene Spielplatz bietet gerade einmal zwei Schaukeln und eine Kleinkinderrutsche. Letztere ist für kleine Kinder allerdings nicht mehr zu erklimmen, denn die Leiter wurde durch eine Art Mini-Kletterwand mit Kunststoffgriffen ersetzt. Bei einem Rundgang durch die Anlage ist diese umgestaltete Rutsche auch der erste Kritikpunkt, der einem vorbeikommenden Mädchen auf Anfrage einfällt. "Vor ein paar Tagen hat sich ein Kind beim Raufklettern im Gesicht verletzt", berichtet die Jugendliche.

Keine Parkbänke mehr

Zum Lokalaugenschein in den Weiten des Wildganshofs kommt auch Herr Werner, wie er hier von jedem genannt wird. Der 63-jährige Pensionist ist so etwas wie ein Ombudsmann, weil er viel im Hof unterwegs ist und die Beschwerden der Bewohner auch an Wiener Wohnen weitergibt, seien es nun zu wenige Parkbänke und Mistkübel oder gezählte 30 kaputte Kellerfenster. Damit auf zwei bisher unbenutzten Wiesen jeweils Spielplätze für kleine und größere Kinder errichtet werden, haben Herr Werner und Susanna Mlango auch Unterschriften gesammelt. Viel Erfolg hat das bisher aber nicht gezeitigt.

"Von Wiener Wohnen heißt es immer, es gebe dafür kein Geld, aber in der Nähe beim St. Marxer Friedhof wurde unlängst ein Spielplatz errichtet. Man muss doch den Kindern eine Beschäftigung geben, sonst kommen sie auf dumme Ideen", meint Mlango. Auf dem Spaziergang zum Fußballkäfig zeigt Herr Werner auf vereinzelte Asphaltstellen entlang des Gehwegs: "Hier sind früher Parkbänke gestanden. Die wurden dann irgendwann von Wiener Wohnen entfernt."

Laut sei es gewesen, wenn die Jugendlichen und "die Türkinnen mit Kindern" am späten Abend bei den Bänken gewesen seien. Eine kleine, von Gebüsch umgebene Asphaltfläche ist auch das Einzige, das vom Kleinkinderspielplatz übrig geblieben ist. "Offiziell hat es geheißen, er müsse weg, weil er zu nah an der Straße sei. Es werden sich halt einige beschwert haben wegen des Lärms", mutmaßt Herr Werner. "Als ich vor 28 Jahren hierher gezogen bin, war es hier wie in einem Wohnpark. Heute hält sich niemand mehr an irgendwas", sagt er zur Situation im Gemeindebau.

Dabei unterscheide er nicht zwischen Inländern und Ausländern, sondern zwischen "Österreichern und deppaten Österreichern", betont der Pensionist. Es gebe eben einen Teil der Bewohner, die Probleme machen. Ob damit vor allem die Einwanderer gemeint seien? "Die meisten gebürtigen Österreicher sind eh schon von hier weggezogen", meint darauf Herr Werner.

Die Wünsche der Bewohner hat inzwischen auch Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Eva Lachkovics persönlich an Wiener Wohnen herangetragen. "Mir wurde zugesagt, den Ausbau des Spielplatzes zu prüfen", sagt Lachkovics, die selbst in einem Gemeindebau aufgewachsen ist. "Warum Wiener Wohnen angeblich wegen des Hundekots keine Sandkiste haben will, kann ich zum Beispiel überhaupt nicht verstehen. Ich habe ja als Kind auch eine gehabt." Die Wiener Bauordnung weiß Lachkovics jedenfalls auf ihrer Seite, denn die dort vorgeschriebene Ausstattung mit Spielplätzen werde hier im Wildganshof klar unterschritten.