Wien. 25 Jahre alt, Studentin der Theologie, Sozial- oder Geisteswissenschaften und sozial besser gestellt: tyischerweise verbringen sie öfters einen Teil ihres Studiums im Ausland als ihre männlichen, älteren und sozial schlechter gestellteren Kommilitonen.

"Mobilität ist für junge Menschen extrem wichtig", sagte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bei der Präsentation des Zusatzbericht der Studierenden-Sozialerhebung zur "Internationalen Mobilität" am Donnerstag. Jeder fünfte Student gehe bereits ins Ausland: 9,4 Prozent absolvierten ein Auslandssemester, 14 Prozent ein Auslandspraktikum, 3 Prozent beides. Damit erreiche Österreich schon jetzt das Bologna-Ziel einer Mobilitätsquote von 20 Prozent bis 2020, so der Wissenschaftsminister.

Bei den 2011 erhobenen Daten müsse man berücksichtigen, dass diese sowohl Studenten im ersten Semester als auch solche kurz vor dem Abschluss enthalten, so Studienautor Martin Unger vom Institut für Höhere Studien (IHS). Zähle man jene 15 Prozent dazu, die noch einen Auslandsaufenthalt planen, komme man auf ein Mobilitätspotenzial von 35 Prozent.

Nach Geschlechtern betrachtet absolvieren Studentinnen etwas öfter Auslandsaufenthalte (Auslandssemester: zehn Prozent; Praktikum 15 Prozent) als Studenten (acht bzw. 13 Prozent). Einen Zusammenhang gibt es außerdem zwischen sozialer Herkunft und Mobilität: Studenten aus niedriger sozialer Schicht gehen am seltensten ins Ausland (Auslandssemester: sieben Prozent, Praktika: sieben Prozent), die Bereitschaft zur Mobilität wächst dann in der mittleren und gehobeneren Schicht und liegt bei der höchsten sozialen Schicht bei zwölf (Auslandsaufenthalt) bzw. 15 Prozent (Auslandspraktikum).

Frauen zieht es zum Studium eher in den Süden

Geschlecht und soziale Herkunft beeinflussen offenbar auch die Wahl des Gastlandes. Auslandssemester werden von Frauen deutlich häufiger in südeuropäischen Ländern und Frankreich absolviert als von Männern, während Männer häufiger nordeuropäische Länder und außereuropäische Ziele wie die USA und Asien bevorzugen.

Betrachtet man Auslandspraktika, differieren die gewählten Regionen hingegen kaum nach Geschlecht. Studierende aus niedriger Schicht wiederum absolvieren etwas häufiger Auslandssemester in englischsprachigen Ländern als Studierende aus hoher Schicht, letztere wiederum gehen häufiger in Staaten außerhalb Europas.

Am mobilsten sind die Studenten an Fachhochschulen (FH): Zwölf Prozent von ihnen haben bereits ein Auslandssemester absolviert, 17 Prozent ein Auslandspraktikum. Knapp dahinter folgen Studenten an den wissenschaftlichen Unis (Auslandssemester: neun Prozent, Auslandspraktikum: 15 Prozent) und den Kunstunis (zehn bzw. elf Prozent). Weniger mobil sind die Studenten an berufsbegleitenden FH-Studiengängen (neun bzw. sieben Prozent).

Die Kosten für ein Auslandssemester liegen zwischen 6.600 Euro (Deutschland) und 10.400 Euro (Australien). Als häufigste Mobilitätshindernisse nannten Absolventen eines Auslandssemesters den Zeitverlust für das Studium in Österreich, die Finanzierung (je 37 Prozent), das Finden einer leistbaren Wohnung im Gastland (32 Prozent) und die Anrechnung der erbrachten Studienleistung (26 Prozent).