Die persönlichen Angriffe spielen für unsere Arbeit keine Rolle. Wichtiger ist es, eine starke Gegenstimme zu sein. Kürzlich hat ein FPÖ-Landtagsabgeordneter in Wien rassistisch gegen türkische Bürger dieser Stadt gehetzt. Da ist es uns wichtig, ganz klare Grenzlinien zu ziehen und zu sagen, das geht nicht, das ist gesellschaftszerstörend. Wir sind ein bisschen der Dorn im Fleisch der FPÖ. Wir sind aber kritisch gegenüber allen Entwicklungen, die Menschenrechte und Menschenwürde in Frage stellen. Da sind wir auch ein Dorn im Fleisch der ÖVP und der SPÖ und wenn notwendig, auch der Grünen.

Aktuell kritisieren Sie die neue Praxis des SPÖ-geführten Wiener Stadtschulrats, Kinder, die beim Schulreifetest nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, in eine Vorschulklasse zu schicken. Warum stoßen Sie sich an dieser Vorgangsweise?

Uns stört, dass für Probleme, die es tatsächlich gibt, die schlechtesten Lösungen gefunden und dann auch umgesetzt werden. Wir halten es für die schlechteste Lösung, wenn Kinder, alleine, weil sie eine andere Erstsprache als Deutsch haben, in eine Sonderklasse geschickt werden. Die beste Lösung ist, die Kinder möglichst rasch in die Regelklasse zu integrieren und ihnen dort Förderunterricht zukommen zu lassen. Und auch in die Lehrerbildung zu investieren, damit die Pädagogen mit Deutsch als Fremdsprache umgehen können.

Man könnte aber auch sagen, die Vorschulklasse böte diesen Kindern die Chance, dann in der ersten Klasse vom gleichen Level an zu starten wie ihre Klassenkollegen.

Erstens verlieren sie auf alle Fälle ein Schuljahr. Und zweitens ist es total demotivierend für die Kinder, wenn sie, obwohl sie schulreif sind, zurückgestuft werden. Drittens ist noch nicht bewiesen, dass dieses eine Jahr in der Sonderklasse den Kindern helfen wird. Die Frage ist, ob das tatsächlich die Umgebung ist, in der Sprache am besten gelernt werden kann. Ich bezweifle das.

Im Innenministerium wiederum, welches der ÖVP zuzuordnen ist, ressortiert das Thema Asyl. Sie fordern für Asylwerber den freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Was würde dadurch gelöst?

Eine Vielzahl von Problemen. Die Asylsuchenden wären während ihrer Wartezeit nicht zum Nichtstun verurteilt. Sie hätten die Möglichkeit, auf eigenen Beinen zu stehen. Es würde sich für den Staat etwas ändern, wenn weniger Geld in die Grundversorgung investiert werden müsste. Es würde sich aber auch für die Zeit danach etwas ändern. Ein beträchtlicher Anteil der Asylwerber bekommt schließlich das Aufenthaltsrecht in Österreich. Für sie ist es derzeit durch die lang erzwungene Wartezeit schwer, in den Arbeitsmarkt einzusteigen - Stichwort: Dequalifizierung.

Würden dadurch nicht auch Personen angelockt, die Scheinanträge stellen, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten?