Wien. "Ziel erreicht!" Österreich hat im Jahr 2011 die im Kyoto-Protokoll festgeschriebene Maximalmenge an Treibhausgasen von 68,8 Millionen Tonnen CO2 nicht überschritten. "Wir haben Kyoto positiv abgeschlossen und starten damit in eine neue Periode ohne einen Rucksack mit Altlasten", sagt Umweltminister Nikolaus Berlakovich.

Das "Wie" freilich bietet Anlass für Diskussionen. Denn obwohl bei den CO2-Ausstößen eine Reduktion um 2,6 Prozent (auf 82,8 Millionen Tonnen) zu verzeichnen war, bedurfte es wieder Zukäufe sogenannter CO2-Zertifikate, um das Kyoto-Ziel zu erreichen. Und das kostet. In den Jahren 2008 bis 2012 wandte Österreich insgesamt 600 Millionen Euro für den Ankauf von Zertifikaten auf - das entspricht rund 80 Millionen Tonnen CO2, also praktisch einer Jahresemission in Österreich.

Im Jahr 2011 - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - habe die Republik von den niedrigen Preisen von Klimazertifikaten profitiert, wie Berlakovich erklärte. Der Preisverfall der Zertifikate sei auf den "Niedergang der Stinker-Schwerindustrie" in den neuen Mitgliedsstaaten der EU zurückzuführen.

Verkehr als "Sorgenkind"


In Österreich ist die Industrie mit einem Anteil von 30 Prozent nach wie vor Hauptemittent, wobei der Sektor Verkehr in dieser Hinsicht seit Jahren auf der Überholspur fährt. Seit 1990 stiegen die Emissionen beim Verkehr um 55 Prozent, weshalb Jürgen Schneider, Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, diesen Sektor auch als "Sorgenkind" bezeichnete. Statt 3 Millionen Pkw sind gegenwärtig 4,5 Millionen Pkw in Österreich zugelassen. Doch immerhin verzeichnete der Verkehr im Jahr 2011 einen leichten Rückgang, den der Minister auf die Erhöhung der Mineralölsteuer und effizienteren Treibstoffverbrauch neuer Fahrzeuge zurückführt.

Zudem könnten bis zu 30 Prozent der CO2-Emissionen im Verkehr, die bilanztechnisch Österreich zugerechnet werden, auf den Treibstoffexport entfallen, erklärt das Verkehrsministerium. Durch die vergleichsweise moderaten Benzinpreise in Österreich würden vor allem viele Lkw auf ihrem Weg durch Österreich ihre Tanks füllen. Doch laut EU-Regeln wird die CO2-Bilanz ausschließlich mit der im Land verkauften Treibstoffmenge erstellt. "Diese Berechnungsmethode wirkt sich sehr nachteilig auf Österreich aus und muss geändert werden", fordert Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC.

Einen wirklich großen Rückgang um mehr als zehn Prozent gelang nur beim Heizen. Dies dürfte allerdings auch Folge der milden Witterung 2011 sein.