Wien. Es muss nicht immer Walzer sein. Auch Musik vom Balkan, China, Russland oder Lateinamerika sorgt heuer nicht zum ersten Mal für rauschende Ballnächte. Insgesamt 450 Bälle finden in der Faschingszeit in Wien statt, darunter auch solche von größeren Zuwanderergruppen. Serben, Kroaten, Chinesen, Griechen, Polen, Russen lassen nach eigener Musiktradition das Tanzbein schwingen und stärken sich dabei mit Lieblingsspeisen aus ihrer Heimat. Auch Flüchtlinge haben einen eigenen Ball.

Während sich manche Community-Bälle erst in den letzten Jahrzehnten etabliert haben, können andere bereits eine jahrhunderteübergreifende Tradition vorweisen, wie etwa die slawischen Bälle, deren Wurzeln in Wien bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Namhafte Serben wollten sich hier in der Mitte des 19. Jahrhundertes wenigstens einmal im Jahr zu einem besonderen Ereignis versammeln. Eigens aus diesem Anlass beauftragte man Johann Strauß Sohn, eine Komposition zu schreiben. Die "serbische Quadrille" wurde 1846 beim ersten Ball der Slawen in Wien uraufgeführt, rund 3000 Personen - darunter Diplomaten, Offiziere, Minister, Adelige - waren bei der Tanzveranstaltung anwesend. Das Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914 unterbrach die Tradition - für mehrere Jahrzehnte.

"Erst in den 90er Jahren, nach dem Zerfall Jugoslawiens, konnte man diese Tradition wieder beleben", erzählt Marko Stijakovic, Präsident der Österreichisch-Serbischen Gesellschaft, die heuer den 16. Heiligen Sava Ball organisiert. Das traditionsreiche Ereignis trägt den Namen des heiligen Sava von Serbien (1175-1236), der ein bedeutender serbischer Aufklärer, orthodoxer Erzbischof und Verfasser des ersten serbischen Gesetzbuches war.

Serben aus mehreren Ländern reisen extra an

Wir schon im vergangenen Jahr wird auch heuer das Tanzbein im Parkhotel Schönbrunn geschwungen, und zwar am Samstag, den 25. Jänner. Das Motto lautet: "Serben aus Europa zu Gast in Wien". 600 Menschen besuchten den Ball im vorigen Jahr, die Hälfte davon reiste extra aus dem Ausland an. Auch dieses Jahr werden viele serbischstämmige Gäste aus Frankreich, Schweden, Ungarn erwartet.

Wie bei klassischen Wiener Bällen werden zuerst einige junge Tanzpaare in der Ball-Gesellschaft debütieren. Danach folgt ein buntes Musikprogramm, das vor allem durch Balkanrhythmen charakterisiert ist. Gruppentänze wie "Bojarka" in serbischer bürgerlicher Tracht und der Volkstanz "Moravac" um Mitternacht sollen bei einigen Gästen ein Heimatgefühl wecken.