Wien. Für Generalstabschef Edmund Entacher (63) war es wohl die letzte Schlacht in Uniform. Ende März werde er aller Voraussicht nach abrüsten, erklärt er am Sonntagnachmittag zur "Wiener Zeitung". Entachers Auseinandersetzung um die Beibehaltung der Wehrpflicht mit seinem Vorgesetzten Verteidigungsminister Norbert Darabos, der ihn zuerst abberief und dann doch wieder einsetzen musste, sorgte in den letzten eineinhalb Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Jetzt, nach erfolgreicher Abstimmung für die Wehrpflicht gibt es für den gebürtigen Salzburger und leidenschaftlichen Virginia-Raucher keinen Grund mehr, seinen aufgeschobenen Pensionsantritt noch weiter hinauszuzögern.

Das überraschend deutliche Votum der Bürger gegen die Einführung eines Berufsheeres freut Entacher natürlich, der sich vehement für eine Reform des bestehenden Systems einsetzte. Und er hofft, dass das Ergebnis Rückenwind nun auch den notwendigen politischen Rückenwind für deren Umsetzung bedeutet.

Mehr Soldaten, weniger Systemerhalter
Aus Sicht des scheidenden Generalstabschefs ist ziemlich klar, wo dabei die Prioritäten zu setzen sein werden: Die Zahl der Systemerhalter unter den Wehrpflichtigen müsse kräftig gesenkt werden. Derzeit werden mehr als die Hälfte der jährlich rund 24.000 Rekruten als Kraftfahrer, Schreibkräfte, Köche, Kellner etc. eingesetzt. Künftig sollen "etliche tausend Rekruten mehr als bisher" die soldatische Vollausbildung durchlaufen, so Entacher. Und diese Ausbildung müsse dringend "erlebnisorientierter und  spannender" und so gestaltet werden, so dass die Rekruten auch im späteren Leben davon profitieren könnten und die Zufriedenheit mit dem Wehrdienst spürbar steige. Finanziell sind diese Reformen laut Entacher ohne zusätzliche Kosten machbar, allenfalls Umschichtungen im bestehenden Budget notwendig.

Darüber hinaus ist es für den obersten Offizier unerlässlich den Verwaltungsapparat des Bundesheeres weiter zugunsten der Truppe zu verschlanken. Derzeit verfügt das Heer über 8500 Verwaltungsbeamte und 15.500 Berufssoldaten, von denen wiederum rund 1100 aufgrund ihres Alters als weiße Elefanten nicht länger bei der Truppe, sondern in den Schreibstuben sitzen. Notfalls, so Entacher, könne man auch durch zusätzliche Zeitverträge die Truppe verjüngen und den Anteil der Beamten verringern.