Wien. Hannes Androsch, Vorsitzender des Pro-Berufsheer-Komitees, hat sich am Sonntagnachmittag beim Eintreffen in der SPÖ-Zentrale etwas zerknirscht gezeigt: "Es freut mich nicht", erklärte er zum voraussichtlichen Votum für die Beibehaltung der Wehrpflicht.

Das Ergebnis "war nicht überraschend. Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit konnte man nicht die emotionalen Nebelgranaten abwenden", meinte Androsch. Die Sicherheitspolitik etwa sei ausgeblendet worden im Vorfeld, kritisierte er Aussagen der ÖVP wie etwa, "Die Rettung kommt nicht". Wie im Bereich der Umwelt- und Energiepolitik sei Österreich aber ein "Nachzügler" und das Ergebnis nicht "in Stein gemeißelt", so der Berufsheer-Verfechter.

Verteidigungsminister Norbert Darabos soll auch trotz dieser Entscheidung weiterhin Ressortchef bleiben, schließlich habe es sich um keine "Personenentscheidung" gehandelt, so Androsch.

Für Veit Sorger "Sieg der Vernunft"

Der Leiter des ÖVP-Personenkomitees für die Wehpflicht, Veit Sorger, sieht im voraussichtlichen Votum der Österreicher gegen ein Berufsheer einen "Sieg der Vernunft". Bestätigten sich die bisherigen Ergebnisse, gäbe es einen klaren Auftrag für die Zukunft. Was Darabos nun tun sollte, wollte Sorger nicht beantworten. Dies müsste der Ressortchef selbst entscheiden. Sorger war kurz nach 16 Uhr unmittelbar vor ÖVP-Obmann Michael Spindelegger in der ÖVP Parteizentrale eingetroffen. Der VP-Obmann wollte vorerst noch kein Statement abgeben.

Die Volkspartei war wohl bereits auf eine kleine Party eingerichtet. Unmittelbar vor der Parteizentrale wurden Ess- und Trinkstände errichtet. Vorerst war der Zustrom freilich noch überschaubar.

FPÖ-Chef Strache: "Großartiger Tag für Österreich"
Für FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, einem Befürworter der Wehrpflicht, ist der Ausgang der Bundesheer-Volksbefragung ein "großartiger Tag für Österreich" und ein starkes Zeichen für Eigenverantwortung. Vor Journalisten forderte Strache Sonntagnachmittag in der Hofburg den Rücktritt von Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Die Wahlbeteiligung zeige Interesse, erklärte Strache. Die Menschen wollten kein Stillstand oder Hick-Hack. Gefragt, ob es nun trotz Beibehaltung der Wehrpflicht Reformen geben könne, meinte Strache, die Menschen "wollen reformieren statt demontieren". Darabos müsste nun zurücktreten, denn ihm traue niemand zu, Reformen sicherzustellen.

Kräuter: "Wir haben die Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen"

"Wir haben die Entscheidung der Bevölkerung selbstverständlich zur Kenntnis zu nehmen", erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter kurz vor Ende der Volksbefragung am Sonntag, betonte allerdings, dass es sich bei diese Volksbefragung nicht um eine Abstimmung über eine Partei gehandelt habe. Schließlich ist heuer ein Superwahljahr und die SPÖ möchte aus diesem ersten Plebiszit keine Richtung für Niederösterreich, Kärnten, Tirol, Salzburg oder gar die Nationalratswahl ableiten. "Die Volksbefragung hat nichts mit den Wahlen zu tun", betonte Kräuter daher.

Team Stronach-Klubobmann: Sorge, dass Alles beim Alten bleibt
Das Team Stronach sieht die sich abzeichnende klare Mehrheit für die Beibehaltung der Wehrpflicht bei der Volksbefragung als "Abstimmung gegen Reformen" beim Bundesheer. Das sei "bedauerlich", sagte Klubobmann Robert Lugar. Er habe die "leichte Sorge", dass es jetzt zu einem Reformstillstand komme und "Alles beim Alten bleibt". Bei einem Votum für eine Berufsheer hätte es hingegen zwingend Reformen geben müssen.

Obwohl das Team Stronach für ein Berufsheer geworben hat, ist Lugar "nicht traurig" über das Ergebnis. Seine Partei habe "keine Wahlempfehlung" abgegeben. Er will auch keine Niederlage für seine Partei erkennen, schließlich gebe es auch im Team Stronach unterschiedliche Positionen. So habe sich etwa der Kärntner Spitzenkandidat Gerhard Köfer für die Wehrpflicht ausgesprochen. Das Team Stronach werde jedenfalls das Ergebnis akzeptieren und nun versuchen, dem drohenden Reformstillstand entgegenzuwirken.

Als Hauptgrund für den Ausgang der Volksbefragung sieht Lugar, dass die Diskussion nicht sachlich, sondern emotional erfolgt sei. Vor allem die ÖVP habe mit dem "Untergang des Abendlandes" gedroht. Mit der sich abzeichnenden Beteiligung von 48 Prozent zeigte sich Lugar zufrieden. Damit habe die Bevölkerung trotz schlechter Information ein Zeichen gesetzt, dass sie mehr direkte Demokratie wolle. Lugar will deshalb beim geplanten Demokratiepaket Druck machen.