Wien. Der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA) bleibt auch nach dem Wechsel von Kurt Pribil in die Direktion der Nationalbank großkoalitionär aufgeteilt. Mit Klaus Kumpfmüller folgt ihm nämlich ein ÖVP-Kandidat nach. Er wird künftig mit dem SPÖ-nahen Helmut Ettl die Doppelspitze der Finanzmarktaufsicht bilden. Den entsprechenden Beschluss fasst der Ministerrat heute, Dienstag.

Offiziell wird je ein Manager von Notenbank und Finanzministerium nominiert. Ettl, dessen Vertrag um fünf Jahre verlängert wurde, saß bislang auf dem Ministeriumsticket, wechselt nun auf jenes der OeNB. Kumpfmüller übernimmt also das Mandat des Ministeriums.

Der 41-Jährige ist ein alter Bekannter von Finanzministerin Maria Fekter. In den 90er Jahren war er ihr Sekretär, als sie Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium war. Später war er im oberösterreichischen Bankensektor für Raiffeisen und Hypo tätig. 2011 wurde Kumpfmüller zum Chef der Bundesfinanzierungsagentur.

Seine dortige Co-Vorsitzende Martha Oberndorfer war in den Medien ebenso als Kandidatin gehandelt worden wie Fekters Kabinettschef Gerhard Zotter. Das Rennen gemacht hat aber Kumpfmüller.

Pribil ersetzt den in Ungnade gefallenen Duchatczek

Kurt Pribil, der seit 2001 an der Spitze der FMA stand, nimmt im Nationalbank-Direktorium den Platz von Wolfgang Duchatczek ein. Dieser war wegen des Schmiergeld-Skandals in der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruckerei (OeBS), in der er als Beschuldigter geführt wird, in Ungnade gefallen. Duchatczek geht allerdings erst mit 11. Juli. Dass Pribil trotzdem jetzt schon in die Nationalbank wechselt (sein Vertrag wäre erst 2014 ausgelaufen), hat technische Gründe: Weil Ettls aktueller Vorstandsvertrag am 13. Februar ausläuft, konnten so beide Vorstandsposten gleichzeitig ausgeschrieben werden. Pribil arbeitete schon in den 80er-Jahren und von 1999 bis 2001 in der OeNB. Dazwischen war er wirtschaftspolitischer Berater des damaligen Wirtschaftsministers Wolfgang Schüssel.