Politischer Aschermittwoch: Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl plädierte in der Ottakringer Brauerei in Wien für mehr Wachstum. Einen politischen Aschermittwoch aus "anderer Sicht" veranstaltete ÖVP-Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg im Parlament (Archivbild). WB/Weinwurm, apa/Jaeger
Politischer Aschermittwoch: Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl plädierte in der Ottakringer Brauerei in Wien für mehr Wachstum. Einen politischen Aschermittwoch aus "anderer Sicht" veranstaltete ÖVP-Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg im Parlament (Archivbild). WB/Weinwurm, apa/Jaeger

Wien. (sf/apa) Den Aschermittwoch nutzten Politiker, um in Reden ihre Botschaften unters Volk zu bringen. Während die FPÖ heuer erst am Freitag ihren 22. "Politischen Aschermittwoch" in der Jahnturnhalle in Ried im Innkreis veranstaltet, forderte Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl am Mittwoch in seiner Rede in Wien ein Wachstumspaket.

"Die USA fahren auf dem normalen Fahrstreifen, Asien ist auf der Überholspur und Europa steht auf dem Pannenstreifen. Nicht warten, handeln muss daher unsere Botschaft sein", sagte Leitl in seiner Aschermittwochsrede vor Hunderten Gästen in der Ottakringer Brauerei. Österreich müsse die Warnlichter sehen - etwa dass es in Rankings wie jene der Universitäten hinunterrassle. Österreich stecke in der Durchschnittsfalle - aber wer sich immer nur am Durchschnitt orientiere, werde zum Nachzügler.

Der von Gewerkschaftern geforderten Arbeitszeitverkürzung erteilte der Wirtschaftskammer-Präsident eine Absage. "Wenn wir weiter über Unsinnigkeiten, wie Arbeitszeitverkürzung und Einschränkung der Teilzeitjobs, reden, wird China keine 17 Jahre brauchen, um den Westen zu überholen."

Um Investitionen auszulösen, brauche es drei Instrumente: den Handwerkerbonus, die Investitionszuwachsprämie und eine verdoppelte Forschungsprämie für den Bereich Erneuerbare Energie und Umwelttechnologie. Leitl: "Dafür gebe ich Finanzministerin Fekter eine Geld-zurück-Garantie, denn diese Maßnahmen bringen dem Budget mehr, als sie kosten."

Huainigg: "Wir brauchen High-Tech in der Pflege"


Zu einem "politischen Aschermittwoch der anderen Art" luden die Behindertensprecher von ÖVP und Grünen am Mittwochvormittag ins Parlament. Mit Geschichten aus dem Alltag eines Lebens mit Behinderung und mit selbst geschriebenen Liedern brachte Franz-Joseph Huainigg seine Anliegen dar. Da Helene Jarmer (Grüne) krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, bestritt Huainigg die Veranstaltung alleine.

Er wolle Wahrheiten sagen, "die nicht einmal Frank Stronach sagt", erklärte der Nationalratsabgeordnete, der ein Beatmungsgerät hat, und fand eine Gemeinsamkeit zwischen sich und dem Neo-Politiker: "Wir sind beide oft schwer verständlich." Huainigg plädierte für Barrierefreiheit und Inklusion: "Behinderte Menschen brauchen kein Mitleid, sondern persönliche Assistenz, das gibt Freiraum und persönlichen Handlungsspielraum." Er forderte bundesweit einheitliche Regelungen und Assistenz auch vor und nach der Arbeit. "Wir brauchen High-Tech in der Pflege", sagte er und forderte, dass neue Fördermöglichkeiten für neue Technologien geschaffen werden. "Das Leben im Rollstuhl ist ein Abenteuer, aber wir brauchen Barrierefreiheit", sagte Huainigg und berichtete davon, wie ihm der "Geduldsfaden gerissen war", als er acht Züge lang vergeblich auf einen barrierefreien Zug gewartet hatte.

Für das Bundesheer hatte er eine Reformidee: Die Präsenzdiener sollten "Rampen bauen statt Kanonen zu putzen, dann wäre Österreich schnell barrierefrei".