Wien. Weil es im Gespräch zwischen Gerhard Dörfler und der "Wiener Zeitung" eine Meinungsverschiedenheit über die Bevölkerungsentwicklung Kärntens gab, erlauben wir uns, abweichend von unseren sonstigen Gepflogenheiten einen Info-Text in das Interview einzufügen.

"Wiener Zeitung": Beginnen wir mit der gleichen Frage wie vor vier Jahren: Wie zuversichtlich sind Sie, nach der Wahl noch Landeshauptmann von Kärnten zu sein?

Gerhard Dörfler: Gleich zuversichtlich wie damals.

Obwohl sich die Umstände geändert haben und die FPK von Skandalen erschüttert wurde?

Seit 2009 hat es zwei große historische Erfolge gegeben. Wir haben den historischen Streit um die Ortstafeln gelöst und auf europäischer Ebene die Koralmbahn durchgesetzt.

Aber bleibt bei den Wählern nicht eher die Verurteilung von Uwe Scheuch in der "Part-of-the-game-Affäre" hängen?

Die Wähler wollen einen Arbeitsplatz, ein Einkommen zum Auskommen - die haben ganz andere Wünsche an die Politik, als ständig über irgendwelche Skandälchen zu reden. Die großen Skandale der Republik finden ohnehin anderswo statt, etwa in Salzburg oder Niederösterreich.

Darüber könnte man jetzt streiten, denn immerhin gibt es hier eine rechtskräftige Verurteilung des Ex- Landeshauptmannstellvertreters.

Wo ist das Problem? Er ist nicht mehr in der Politik, das ist Vergangenheit, fertig. Martinz und Strasser gehörten der ÖVP an und in Wien wird gegen eine ganze Serie von Ministerin ermittelt.

Sie haben an Scheuch bis zuletzt festgehalten. War diese Nibelungentreue richtig?

Ich bin nicht einer, der jeden Tag schaut, wo die Sonne scheint. Ich bin ein politischer Kumpel. Solange jemand nicht rechtskräftig verurteilt ist, kann er kein Berufsverbot haben. Der Rechtsstaat hat seine Instanzen und jeder Bürger muss diese anrufen können. Uwe Scheuch hat mir in der Ortstafelfrage die volle Rückendeckung gegeben, dafür war ich ihm sehr dankbar, denn unsere Partei ist den weitesten Weg gegangen.

Was sagen Sie dazu, dass man Sie oft als Marionette der Gebrüder Scheuch bezeichnet?

In der Politik gibt es keine Gebrüder Scheuch. Außerdem: Wenn es bei ÖVP oder Grünen ein Spitzenduo gibt, stört das keinen, aber bei uns regen sich alle auf. Ich habe mich von Anfang an dazu entschieden, kein Parteiobmann sein zu wollen. Aber ich lege meiner Partei die Latte sehr hoch. Wo es mir wichtig ist, gebe ich den Weg vor, etwa bei der Ortstafelfrage.

Sie wollen den mit 500 Millionen Euro dotierten Zukunftsfonds öffnen ...

Nicht nur ich, sondern zahlreiche führende Politiker des Landes: der grüne Spitzenkandidat Rolf Holub, SPÖ-Spitzenkandidat Peter Kaiser, der Präsident der Arbeiterkammer Kärnten - immerhin Mitglied im SPÖ-Parteivorstand -, der Präsident der Industriellenvereinigung. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern - in Niederösterreich wurde eine Milliarde an Wohnbaugeldern verspielt, in Salzburg weiß man heute noch nicht, was los ist - haben wir einen Zukunftsfonds, den wir nachhaltig für Arbeitsmarkt, Innovation, Bildung und Energiemaßnahmen einsetzen wollen. Ich will nicht Arbeitslosigkeit verwalten, sondern die Zukunft gestalten.

Aber was Sie plakatieren - Familiengeld, Baugeld, Gesundheitsgeld - klingt nicht nach Nachhaltigkeit, sondern nach Wahlzuckerl.

Gerade das Baugeld ist nachhaltig. Da kann ich mit 13,4 Millionen Euro an Förderungen 1000 Arbeitsplätze schaffen.

Und was ist mit dem Familiengeld? Kärnten hat jetzt schon die höchsten Familienförderungen Österreichs.

Und darauf bin ich sehr stolz.

Aber sie funktioniert nicht. Die Bevölkerung Kärntens schrumpft.

Das stimmt nicht.

Doch, laut Statistik Austria schrumpft die Bevölkerung.

Nein, sie schrumpft nicht. Wenn sie den Wanderungssaldo hernehmen, ebenfalls von der Statistik Austria, haben wir von 2001 bis 2011 2646 Menschen mehr in Kärnten.

Aber die Wanderungsbilanz alleine sagt nichts über die Bevölkerungsentwicklung aus.

Die Bevölkerungszahl in Kärnten ist zwischen 2001 und 2011 um 2646 Menschen gestiegen. Das ist die Wahrheit.

Nein, das ist nur eine Teilwahrheit.

Die Wanderungsbilanz ist positiv. Es wird immer behauptet, es wandern mehr Menschen ab als zu. Tatsächlich wandern mehr zu. In Summe wächst das Land. In der Zeit der SPÖ-Regierung, als es keine gescheiten Jobs gab, mussten alle auswandern. Wir haben es geschafft, diesen Trend umzudrehen.

Das Land sitzt auf enormen Schulden, in Ihrem Wahlkampf ist aber von Schuldenabbau nie die Rede.

Wenn man die Schulden von Ländern und Gemeinden saldiert, haben Salzburg und Niederösterreich höhere Schulden als Kärnten. Da fragt aber niemand den Herrn Pröll, wie er seine Schulden abbaut.

Es geht jetzt nicht um Niederösterreich, sondern um Kärnten.

Wir haben in den letzten Jahren den Trend der Schuldenentwicklung deutlich abgeflacht. 2015 werden wir die Nulllinie erreichen, dann wird es keine Netto-Neuverschuldung mehr geben.

Und wo wird gespart?

Seit 2009 haben wir 290 Landesmitarbeiter nicht mehr nachbesetzt. Alleine für Landeslehrer mussten wir schon 27 Millionen Euro zuzahlen. Hätten wir nichts getan, wären es heute bis zu 40 Millionen. Darum haben wir bei den Landeslehrern 180 Planstellen gekürzt und so die Zuzahlung auf 13 Millionen Euro gesenkt. Wir haben die Ermessensausgaben von 462 Millionen Euro auf 357 Millionen Euro gekürzt - das sind auch 100 Millionen Euro.