St. Pölten. Eine Vorlesung in Finanzwirtschaft, ein Seminar über Geldveranlagung, ein Börsianer-Treff? Nein, es ist niederösterreichischer Wahlkampf. Und der dreht sich - wenn das Duell Frank Stronach vs. Erwin Pröll einmal Pause macht - immer stärker um das niederösterreichische Spekulationskarussell. In dessen Mitte sitzt weniger Landeshauptmann Erwin Pröll als Finanzlandesrat und Pröll-Vize Wolfgang Sobotka. Auf ihn schießen sich die politischen Gegner mit ihrem antrainierten Fachwissen, das man sonst nur Finanzexperten zutraut, ein.

Während die Salzburger "Zockerln" nach anfänglichen Horrorzahlen sogar ein Plus von 35 Millionen Euro erwirtschaftet haben, drehen sich das St. Pöltner Spekulationskarussell und damit auch die Verluste weiter, die Experten und alle politischen Gegner bei einer Milliarde Euro - je nach Börsenlage auf oder ab - ansetzen. Am Dienstag waren diese schwindelerregenden Zahlen auch Thema einer dringlichen Anfrage, welche die Grünen im Parlament an Finanzministerin Maria Fekter stellten.

Sein eigenes Karussell könnte Sobotka nach der Wahl am 3. März aus der Landesregierung schleudern. Denn auch ÖVP-intern wird man bei dem Verlust der absoluten Mehrheit, die Pröll bei der letzten Wahl sogar noch ausbauen konnte, einen Schuldigen suchen; und der wird, ist von Insidern zu hören, nicht Pröll, sondern Sobotka heißen. Eine Alternative zu Pröll wäre nach dem freiwilligen Abgang vom recht beliebten Landesrat Josef Plank auch weit und breit nicht in Sicht.

Fallen könnte der mächtige Finanzer Sobotka in diesem Szenario freilich sanft - in einen Versorgungsposten. Beteiligungen an Firmen hat das Land Niederösterreich genug - von EVN bis Flughafen Wien werden früher oder später wieder Sessel frei. Am Flughafen Wien landete einst der Vorgänger Sobotkas, Landeshauptmann-Stellvertreter Ernest Gabmann; bei der EVN wäre Sobotka 2009 fast gelandet, als die Kritik an Sobotkas Wall-Street-Ausflug mit grundsoliden Wohnbaudarlehen ihren ersten Höhepunkt erreichte. Von diesem Fast-Abgang berichten heute alle Oppositionsparteien unisono, die sich damals auf Sobotka einschossen.

Neues Spiel, neues Glück?

Doch Sobotka, der sich gerne als "Steher" bezeichnet, blieb auf den Füßen; jetzt wankt er erneut. Denn die Kritik an ihm und seinem Chef Erwin Pröll, der den allmächtigen Kassenwart gewähren ließ, wird mindestens bis zur Nationalratswahl im Herbst anhalten, das versprechen die Grünen jetzt schon. Und auch Pröll selbst wird dafür sorgen, dass das Thema am Tapet bleibt. Er will nämlich nicht aus den Veranlagungen aussteigen.