Wien. (pech) SPÖ-Vorsitzender Bundeskanzler Werner Faymann stellt seine Partei vor der Nationalratswahl am 26. September neu auf. Laut Berichten von "Tiroler Tageszeitung" und "Vorarlberger Nachrichten" wird Verteidigungsminister Norbert Darabos sein Amt zurücklegen und als Bundesgeschäftsführer in die Parteizentrale zurückkehren, die er bereits unter Alfred Gusenbauer dirigiert hatte. Neuer Verteidigungsminister soll der Fraktionschef der SPÖ im Bundesrat, Gerald Klug, werden.

Die Personalrochaden sollen heute, Dienstag, am Nachmittag im Parteipräsidium abgesegnet werden. Der bisherige Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter wird demnach neuer Volksanwalt, ob seine Kollegin Laura Rudas in der Löwelstraße bleibt, ist nicht bekannt. Im Büro Faymanns wurde bestätigt, dass der Parteivorsitzende heute dazu Stellung nehmen will. Sonst wollte man dazu nichts sagen.

Der vermutlich neue Verteidigungsminister ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Gerald Klug ist Vorsitzender der SPÖ-Fraktion im Bundesrat. Seine Hauptqualifikation dürfte seine Herkunft sein: Klug ist Steirer, womit der steirische Landeshauptmann Franz Voves den Abgang seines Landsmannes Kräuter aus der Parteizentrale besser verkraften kann.

Dreher, Jurist, Politiker

Von seiner Ausbildung her hat der 44-jährige Grazer eine interessante Vita. Er ist gelernter Dreher, absolvierte später in seiner Heimatstadt erfolgreich ein Jus-Studium. Politisch begann der Metaller-Gewerkschafter in der Arbeiterkammer, nebenbei besetzte er Funktionen in steirischer Gebietskrankenkasse und Arbeitsmarktservice.

Bundesrat ist Klug seit 2005, seit 2010 ist der dort Fraktionschef. Aufgefallen ist Klug, der den Präsenzdienst absolviert hat, in Land und Bund nicht wirklich. In die Öffentlichkeit schaffte er es mit einer vom Bundesrat in die Wege geleiteten Gesetzesinitiative, durch die Gemeinden auch über Bezirks- und Ländergrenzen hinweg Verbände eingehen können.

Stratege, Minister, Stratege

Dass Darabos nun in die Löwelstraße zurückkehrt, entbehrt nicht einer gewissen Logik. "Die Wahlkampfarbeit ist eine riesige Organisationsarbeit. Und das kann er", sagte Politikwissenschafter Peter Filzmaier zur "Wiener Zeitung". Denn Darabos hat 2006 als Bundesgeschäftsführer (gemeinsam mit Doris Bures) völlig überraschend Alfred Gusenbauer - inmitten des Bawag-Skandals - ins Kanzleramt geführt und weniger überraschend Heinz Fischer als Wahlkampfleiter in die Hofburg gelotst. Davor hatte er trotz Bank Burgenland-Skandals Hans Niessl zu einem Wahltriumph im Burgenland geführt und war so für die Bundesebene erst interessant geworden.

Der Abgang aus der Rossauer Kaserne dürfte Darabos nicht allzu schwer fallen, auch wenn er zuletzt sogar schon längst dienender Verteidigungsminister (seit 2007) der Europäischen Union war. Darabos hatte es als ehemaliger Zivildiener von Beginn an nicht leicht in einem von schwarzen und blauen Beamten geleiteten Ressort. Zwar holte er sich mit Edmund Entacher einen der wenigen hochrangigen roten Militärs als Generalstabschef, mit dem er sich aber in der Auseinandersetzung über die Wehrpflicht nund deren Abschaffung verkrachte, ich absetzte und wieder einsetzen musste - eine schwere politische Niederlage. Dazu zählt auch die am 20. Jänner verlorene Volksbefragung über die Wehrpflicht.

"Man nimmt ihn spät, aber doch aus der Frontlinie", analysierte Filzmaier. Denn die ÖVP versuche das Sicherheitsthema hochzufahren und Darabos wäre im Verteidigungsministerium, dem Spiegelressort zum Innenministerium, mit seinen durchwegs schlechten Vertrauenswerten fehl am Platz. Kein einziger SPÖ-Minister hatte je schlechtere Daten. Seit Jänner 2007 waren seine Werte durchwegs negativ (zwischen minus 4 und minus 40). "Man müsste fragen: Warum erst jetzt", sagte Filzmaier zum Zeitpunkt der Abberufung des Verteidigungsministers.

Die Verantwortung für die missglückte Kampagne zur Abschaffung der Wehrpflicht sieht man in der SPÖ bei der Bundesgeschäftsführung und da zuerst bei Kräuter. Und dieser wird "nach oben weggelobt". Es sei auch das Faymanns Verständnis, dass jemand, der sich loyal verhält und zur Gemeinschaft gehöre, nicht fallen gelassen werden solle, sagte Filzmaier.