Zurück in der Realität: In der Wirtschaft würde gelungene Integration gelebt werden, sagt Ali Rahimi, Obmann des Vereins "Wirtschaft für Integration" und: "Migranten schaffen und sichern Arbeitsplätze", ist er überzeugt. Es sei aber wichtig, die Ängste der Alteingesessenen ernst zunehmen, denn "nicht jeder Einwanderer ist ein Engel".

Münire Inam erzählt über die Produktion des Films, bei der ihr auffiel, dass diejenigen, die kein gutes Wort über Migranten verloren haben, bei der Frage, was sie davon halten würden, wenn es in Wien keine Migranten geben würde, zumeist einsilbig wurden. Dies sei bezeichnend für die Wiener Mentalität, weiß Herbert Sommer, Hausmeister in Simmering. "Zuerst die Raunzerei und dann kommt man drauf, dass es vielleicht eh nicht so schlecht ist." Laut seiner Erfahrung kann die Distanz zwischen Migranten und Nicht-Migranten häufig über Gespräche verringert werden. Die geringe Toleranzschwelle führt er auf den niedrigen Bildungsstand vieler zurück. Das Wichtigste für die Stadt wäre daher mehr Investition in Bildung, sagt er.

Das sieht auch Bernhard Perchinig so. Schulen fokussieren mehr auf die Schwächen der Schüler als auf ihre Stärken, kritisiert der Politologe. Bildung ist spannend für das Leben und könne Spaß machen, "dieser Ansatz fehlt aber in Österreich". Weiters würde in der Bevölkerung die Zeit des Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit als Vorbild dienen, als es kaum Migranten in Österreich gab, Wien aber auch noch eine graue Stadt war. Die heutige Wiener Version mit vielen verschiedenen Sprachen in der Straßenbahn gefalle ihm deutlich besser. Von der Vielfalt profitiert auch die Wissenschaft. Internationale Kollegen würden ihm etwa immer wieder auf Gewissheiten hinweisen, die er selber nicht hinterfragt.

Sie werden "geduldet"

Für den Soziologen Kenan Güngör ist der "Alltag schon viel fließender als die Narrative im Kopf". Da lägen Medien und die Politik hinter dem Volk zurück, behauptet er. Probleme aufgrund der Herkunft seien auch vielen Schülern fremd. Erst außerhalb der Schule werden sie durch Politik und Medien damit konfrontiert, dass sie geduldet werden. Nur wenn es eine Verwertung für diese Menschen gibt, dann sind sie willkommen, bekommen sie zu hören. Ein Großteil der Nicht-Migranten würde auch auswandern, wenn es keine Migranten mehr gäbe. Dennoch: Obwohl viele Menschen rational verstehen, dass Migranten in der Gesellschaft gebraucht werden, seien viele auf der emotionalen Ebene noch nicht so weit.