Götzendorf. (vee) "Aus Gründen der Fürsorgepflicht wird gebeten, den Festakt kurz zu halten", hieß es Freitagmorgen in der Wallensteinkaserne im niederösterreichischen Götzendorf. Eiseskälte und heftige Windböen setzten den anwesenden Soldaten, Gästen und nicht zuletzt der Militärkapelle zu. Den neuen Verteidigungsminister, Gerald Klug, brachte das Wetter hingegen nicht aus dem Konzept. Die feierliche Verabschiedung zweier Auslandskontingente für Einsätze im Kosovo und in Mali war der erste große offizielle Akt des frisch angelobten SPÖ-Ministers.

Mit ernster, aber interessierter Miene schritt Klug die Soldaten am Exerzierplatz ab. Er nickte auch den Angehörigen der Freiwilligen anerkennend zu. 256 Soldaten kommen in den nächsten Wochen in den Kosovo zur Schutztruppe Kfor. Fünf Jagdkommandosoldaten, die sich durch Wüstenuniform und die Verhüllung mit Schals und Sonnenbrillen von den anderen abhoben, werden als Sanitätspersonal zur Trainingsmission der Europäischen Union in Mali entsendet.

"Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, persönlich anwesend zu sein", sagte der Minister bei seiner Rede. Dies, so betonte er, damit die internationalen Leistungen der Soldaten wahrgenommen und gewürdigt würden.

Österreich hat aktuell rund 1300 Soldaten im Ausland im Einsatz und ist damit im europäischen Vergleich eine der führenden Truppenstellernationen für Friedensmissionen. Damit hätte sich die Republik international auch einen guten Namen gemacht, sagt Klug. Den wolle man sich jedoch nicht um jeden Preis erhalten. "Ein Aspekt ist mir wichtiger als die internationale Reputation: die Gesundheit und Unversehrtheit unserer Soldaten."

Sicherheit vs. Ansehen

Damit schnitt Klug ein sehr aktuelles Thema an: Immerhin befinden sich aktuell rund 370 österreichische Soldaten auf den Golanhöhen, die aufgrund des Bürgerkrieges in Syrien zunehmenden Gefahren ausgesetzt sind. Franz Reißner, seit drei Monaten Kommandant der österreichischen Streitkräfte, war ebenfalls bei der Verabschiedung anwesend. Reißner war erst tags zuvor aus Syrien zurückgekehrt. Er bestätigte, dass sich die österreichischen Soldaten am Golan aktuell in einer sehr angespannten Sicherheits- und Versorgungslage befänden. Die überraschenden Lageänderungen würden hingegen das Engagement der Soldaten in keinster Weise schmälern, es hätte ihn sehr gefreut zu sehen, wie "ruhig und professionell" die österreichischen Soldaten mit den Lageänderungen umgingen. Die Sicherheitslage werde zudem laufend evaluiert.

Am Golan hat das Bundesheer jahrzehntelange Erfahrung, ein Einsatz im afrikanischen Mali jedoch erfolgt erstmals. Klug ließ bei seiner Ansprache mit der Meldung aufhorchen, dass die "europäische Sicherheit dort beginnt, wo Keimzellen für Terror und Gewalt im Entstehen sind". Dass die Einsätze ein Gefahrenpotenzial bergen, sieht der Minister auch, als ihm beim Ausrüstungscheck ein Jagdkommandosoldat als Allererstes ein Spezialpflaster erläutert, mit dem Schusswunden im Brustkorbbereich erstversorgt werden.

Hört man sich unter den Soldaten um, stellt man fest, dass es Klug bereits innerhalb weniger Tage geschafft hat, sich innerhalb der Truppe positiv zu positionieren. Dies vor allem durch kleine Gesten: etwas Smalltalk hier, die Verwendung von "Wir", wenn er über das Bundesheer spricht, da. Einer Fürsorgepflicht kommt er somit offenbar nicht nur nach, wenn es kalt ist.